Am Nachmittag des 17. August war der größte Passagierjet der Lufthansa nur noch Sekunden von einer sicheren Landung am Münchner Flughafen entfernt. An Bord befanden sich 352 Reisende und 24 Besatzungsmitglieder. Sie waren aus San Francisco gekommen und wollten nach Hause. Doch dann setzte die riesige Maschine auf dem nassen Boden auf, knapp 19 Meter bevor die eigentliche Betonpiste begann. Sie traf drei Leuchten der Landebahnbefeuerung. Sieben Reifen des A380 wurden beschädigt.
Es hätte dramatisch enden können. Erneut. Nur 48 Stunden zuvor war eine Boeing 787 der Vietnam Airlines beim Start in München über die Startbahn hinausgeschossen. Sie konnte erst 200 Meter hinter der Piste abheben. Ein Beinahe-Unfall folgte dem anderen.
Jetzt bestätigt ein neuer Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, was viele befürchtet haben. Die Behörde stuft den Vorfall mit dem Lufthansa Superjumbo als „schwere Störung“ ein.
Die Ursachen waren eine gefährliche Mischung aus Technik, Wetter und menschlichem Handeln. An jenem Tag lag eine Gewitterfront über München. Starkregen verschlechterte die Sicht für die Piloten entscheidend. Zusätzlich fiel ein entscheidendes Hilfsmittel aus: Das präzise Instrumentenlandesystem der Piste 26L war wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet.
Die Crew musste auf ein alternatives Navigationsverfahren umschalten, einen sogenannten RNP-Anflug. Dabei bestimmen Satelliten die Position des Flugzeugs. Dieses System ist weniger genau als das fehlende Instrumentenlandesystem. Die Piloten berichteten später, die Landebahnbeleuchtung sei im Regen nur schlecht erkennbar gewesen.
Die Analyse des Flugdatenschreibers zeigt nun die Folge dieses Anflugs. Der Airbus flog den Flughafen zu tief an. Er setzte viel zu früh auf. Am Steuer saß der Copilot. Für ihn war dieser Flug nach einer mehrwöchigen Pause ein Trainingsflug. Der Kapitän überwachte ihn. Kurz vor der Landung schaltete der Copilot den Autopiloten aus und landete per Handsteuerung. Ein Routinevorgang unter extrem schwierigen Bedingungen.
Erst später, an der Parkposition, wurde der Schaden erkannt. Niemand an Bord wurde verletzt. Die sichtbaren Spuren sind aber deutlich. Die Bilder der Unfallermittler zeigen Risse in den Reifen und zerstörte Bodenleuchten.
Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben bereits Konsequenzen gezogen. Das Unternehmen hat seine internen Sicherheitsvorgaben für die A380- und A350-Flotte überarbeitet. Welche konkreten Änderungen das sind, wird nicht öffentlich mitgeteilt.
Für Sie als Passagier bleibt die entscheidende Frage, was solche Vorfälle für die Sicherheit am Münchner Flughafen bedeuten. Zwei schwere Störungen innerhalb von zwei Tagen werfen Fragen auf. Die Unfallermittler der BfU arbeiten weiter an ihren Analysen. Ihr Ziel ist es nicht, Schuldige zu finden, sondern die Abläufe zu verstehen. Sie wollen herausfinden, wie sich solche Situationen in Zukunft vermeiden lassen.
Der endgültige Untersuchungsbericht wird noch Monate auf sich warten lassen. Bis dahin werden die Bilder der beschädigten Reifen und Leuchten ein deutliches Signal bleiben. Ein Signal, dass selbst in der hochtechnisierten Luftfahrt die Kombination aus widrigen Umständen und menschlichen Entscheidungen zu kritischen Momenten führen kann.
Die gute Nachricht ist, dass beide Vorfälle ohne Personenschaden blieben. Die schlechte Nachricht ist, dass es zweimal hintereinander schiefgehen konnte. Die Arbeit der Ermittler ist jetzt wichtig. Sie kann helfen, die Sicherheit für alle Passagiere, die über München ein- und ausfliegen, weiter zu erhöhen.
- Technische Probleme – Ausfall des Instrumentenlandesystems
- Wetterbedingungen – Gewitterfront über München
- Manuelle Steuerung – Copilot landete per Hand
- Schadenserkennung – Spuren erst nach der Landung festgestellt
- Sicherheitsmaßnahmen – Überarbeitung der Richtlinien
- Unfalluntersuchung – Ziel ist Vermeidung zukünftiger Vorfälle
| Vorfall | Datum | Situation |
|---|---|---|
| Lufthansa A380 | 17. August | Landung mit Schäden |
| Boeing 787 | 15. August | Über den Startbahn hinaus geschossen |