Gestern Vormittag herrschte eine ganz besondere Stimmung im Hamburger Rathaus. Im festlichen Kaisersaal standen 113 Menschen in einer Reihe. Sie trugen noch keine Uniform. Doch sie legten einen Eid ab, der ihr Leben verändern wird. Es sind die neuen Nachwuchskräfte der Hamburger Feuerwehr. Von nun an gehören sie zu jenen, die in die brennenden Häuser laufen, wenn alle anderen hinausrennen.
Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard von der SPD führte die Vereidigung durch. Die neuen Feuerwehrleute sind zwischen 20 und 47 Jahre alt. Diese Altersspanne zeigt etwas Wichtiges. Der Weg zur Feuerwehr ist kein geradliniger Pfad mehr für junge Schulabgänger. Viele bringen ein ganzes Leben an Erfahrung mit. Unter den 113 sind ehemalige Handwerker, Pflegekräfte und Menschen aus anderen technischen Berufen. Ihr bisheriges Wissen ist ein Geschenk für die Feuerwehr. Ein Installateur versteht sofort die Wasserversorgung bei einem Großeinsatz. Eine ehemalige Krankenpflegerin weiß genau, wie sie einem verletzten Menschen in der Ausnahmesituation begegnet.
Auffällig ist jedoch ein Detail, das nach wie vor ein Problem beschreibt. Unter den 113 Anwärtern sind nur sieben Frauen. Das sind knapp sechs Prozent. Die Feuerwehr Hamburg wirbt zwar aktiv um weiblichen Nachwuchs. Doch der Beruf scheint für viele Frauen noch immer nicht selbstverständlich. Dabei braucht die Feuerwehr genau die vielfältigen Fähigkeiten, die Frauen mitbringen. Es geht nicht nur um rohe Kraft. Es geht um Psychologie, um technisches Verständnis, um Teamarbeit und um Entscheidungsfähigkeit unter extremem Stress. Die Stadt sollte hier nicht nachlassen. Eine moderne Feuerwehr, die unserer ganzen Gesellschaft hilft, sollte auch unserer ganzen Gesellschaft gleichen.
Die Vereidigung dieser großen Gruppe ist ein starkes Signal in eine Richtung, die uns alle angeht. Die Zahl der Bewerbungen für einen Platz bei der Feuerwehr ist in den letzten zwei Jahren um mehr als 25 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der tatsächlichen Einstellungen hat deutlich zugenommen. Das ist eine sehr gute Nachricht für unsere Sicherheit. Es zeigt, dass der Beruf des Feuerwehrmannes und der Feuerwehrfrau wieder an Strahlkraft gewinnt. Junge Menschen suchen heute nach einer Aufgabe mit Sinn, nach Verantwortung und nach einem festen Platz in der Gemeinschaft. All das finden sie bei der Feuerwehr.
Für Sie als Hamburger bedeutet diese Entwicklung ganz konkret mehr Sicherheit. Jeder dieser 113 Menschen wird nach seiner Ausbildung in Ihrem Stadtteil im Einsatz sein. Wenn nachts der Rauchmelder piept, werden sie kommen. Wenn ein Unfall auf der Autobahn geschieht, sind sie innerhalb weniger Minuten da. Diese Nachwuchskräfte füllen die Mannschaften auf, die oft am Limit arbeiten. Sie stellen sicher, dass auch in Zukunft die Wache in Ihrer Nähe rund um die Uhr besetzt ist. Der Anstieg der Bewerbungen ist deshalb nicht nur eine Personalstatistik. Er ist eine Investition in unseren gemeinsamen Schutz.
Die Ausbildung dieser Gruppe wird jetzt intensiv beginnen. Sie lernen das Handwerk von der Pike auf. Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung, Erste Hilfe und Fahrzeugkunde gehören zum Alltag. Aber sie lernen auch etwas anderes, was für den Beruf ebenso wichtig ist. Sie lernen, aufeinander zu achten. Sie lernen, in einem Team zu funktionieren, das blind zusammenarbeiten muss. Der Kollege neben einem in den Flammen ist der wichtigste Mensch in diesem Moment. Dieses Vertrauen wird jetzt aufgebaut.
Die Feuerwehr steht vor großen neuen Aufgaben. Die Klimakrise bringt mehr Extremwetterereignisse mit sich. Sturzfluten oder großflächige Waldbrände werden auch in unserer Region wahrscheinlicher. Gleichzeitig wird unsere Stadt immer dichter bebaut. Die Einsätze werden komplexer. Umso wichtiger ist es, dass kluge Köpfe mit unterschiedlichsten Hintergründen diesen Beruf wählen. Der 47-jährige Quereinsteiger bringt eine Ruhe und Lebenserfahrung mit, die in chaotischen Lagen Gold wert ist.
Wenn Sie also in den kommenden Monaten einen großen Feuerwehrkonvoi mit vielen jungen Gesichtern sehen, dann wissen Sie jetzt, was los ist. Das sind unsere neuen Nachwuchskräfte in der Ausbildung. Sie üben für den Ernstfall. Und dieser Ernstfall kann jederzeit eintreten. In Ihrer Straße, in Ihrem Haus, bei Ihrem Nachbarn. Gestern haben 113 Menschen versprochen, dann für Sie da zu sein. Das ist ein Versprechen, das unsere ganze Stadt respektieren und unterstützen sollte. Wir können stolz darauf sein, dass sich in Hamburg wieder so viele für diesen entscheidenden Beruf entscheiden. Unsere Feuerwehr braucht sie. Und wir alle auch.
- Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard führte die Vereidigung durch
- Altersspanne der Feuerwehrleute: 20 bis 47 Jahre
- Erfahrungen aus Berufen wie Handwerk und Pflege
- Aktive Werbung um weiblichen Nachwuchs
- Steigende Bewerbungszahlen um mehr als 25 Prozent
- Investition in unseren gemeinsamen Schutz
| Alter | Anzahl |
|---|---|
| 20-30 Jahre | 35 |
| 31-40 Jahre | 60 |
| 41-47 Jahre | 18 |