Hamburg meldet seit drei Jahren wieder mehr als 400 Windpocken-Fälle jährlich. Die Zahlen steigen deutlich. In einem Hamburger Bezirk ist die Situation besonders angespannt.
Die aktuellsten Daten des Hamburger Gesundheitsamtes zeigen einen klaren Trend. Im Jahr 2025 gab es in der Hansestadt insgesamt 487 gemeldete Windpockenfälle. Im ersten Halbjahr 2024 waren es bereits 232 Fälle. Das lässt für das Gesamtjahr 2024 einen weiteren Anstieg erwarten. Die Zahlen sind damit auf dem höchsten Stand seit der Meldepflicht. Die Krankheit ist zurück.
Ein Blick auf die sieben Hamburger Bezirke zeigt große Unterschiede. Während in manchen Stadtteilen die Fallzahlen relativ niedrig bleiben ist ein Bezirk besonders stark betroffen. Mit deutlichem Abstand führt Harburg die Statistik an. Im Jahr 2025 wurden hier 122 Fälle gezählt. Das entspricht einem Viertel aller Hamburger Fälle. Der Bezirk Harburg hat damit die höchste Inzidenz also die meisten Fälle gemessen an der Einwohnerzahl. Auf den weiteren Plätzen folgen Mitte mit 98 und Bergedorf mit 82 gemeldeten Erkrankungen. Die niedrigsten Fallzahlen verzeichneten im gleichen Jahr Wandsbek mit 48 und Nord mit 45 Fällen.
Die Gründe für diese ungleiche Verteilung sind komplex. Das Hamburger Gesundheitsamt erklärt sie nicht mit einem einzelnen Faktor. Vielmehr spielen mehrere Dinge zusammen. Die Bevölkerungsstruktur in Harburg ist eine davon. Der Bezirk hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil junger Familien und Kinder. Gerade in Kitas und Grundschulen verbreiten sich die Viren sehr schnell. Ein weiterer Punkt ist die Impfquote. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Windpocken-Impfung für alle Kinder. Die erste Impfung sollte mit elf bis vierzehn Monaten erfolgen die zweite mit fünfzehn bis dreiundzwanzig Monaten. In Harburg liegt die Quote für diese vollständige Grundimmunisierung leicht unter dem Hamburger Durchschnitt. Das sind nur wenige Prozentpunkte. Aber in einer dicht besiedelten Stadt wie Hamburg können diese Unterschiede große Wirkung haben.
Viele Menschen unterschätzen Windpocken noch immer als harmlose Kinderkrankheit. Das ist ein Irrtum. Die Erkrankung kann schwer verlaufen. Vor allem für Säuglinge, Schwangere und Menschen mit einem schwachen Immunsystem stellt sie ein ernstes Risiko dar. Die typischen juckenden Bläschen sind nur das sichtbare Symptom. Das Virus bleibt nach einer durchgemachten Infektion ein Leben lang im Körper. Es kann Jahre später wieder aktiv werden und eine Gürtelrose auslösen. Diese ist oft mit starken, lang anhaltenden Nervenschmerzen verbunden.
Die Hamburger Gesundheitsbehörde sieht die Entwicklung mit Sorge. Ein Sprecher sagte, der aktuelle Anstieg sei ein deutliches Signal. Es zeige dass die Impflücken in der Bevölkerung noch zu groß seien. Das Ziel müsse sein diese Lücken zu schließen. Nur so ließen sich Ausbrüche wirksam eindämmen. Die Behörde appelliert deshalb an alle Eltern den Impfstatus ihrer Kinder überprüfen zu lassen. Auch wer als Kind nicht geimpft wurde kann die Impfung als Jugendlicher oder Erwachsener nachholen. Das schützt einen selbst und trägt zum Schutz der Gemeinschaft bei. Diesen Gemeinschaftsschutz nennt man Herdenimmunität.
Was können Sie konkret tun? Überprüfen Sie zuerst den Impfpass Ihrer Kinder. Stehen dort die zwei Windpocken-Impfungen? Wenn nicht, vereinbaren Sie einen Termin beim Kinderarzt oder Hausarzt. Die Impfung ist für Kinder und Jugendliche bis zum achtzehnten Lebensjahr eine Kassenleistung. Fragen Sie auch bei sich selbst nach. Haben Sie die Windpocken durchgemacht? Falls Sie unsicher sind oder wissen dass Sie nicht geimpft sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Dies gilt besonders wenn Sie engen Kontakt zu kleinen Kindern haben oder selbst zu einer Risikogruppe gehören.
- Bevölkerungsstruktur in Harburg
- Hoher Anteil junger Familien und Kinder
- Viren verbreiten sich in Kitas
- Impfquote unter dem Durchschnitt
- Windpocken als ernstes Gesundheitsrisiko
- Herdenimmunität durch Impfung fördern
Die Zahlen aus Harburg sind ein Weckruf für ganz Hamburg. Sie zeigen dass eine vermeintlich besiegt geglaubte Krankheit wieder an Boden gewinnt wenn die Impfbereitschaft nachlässt. Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Behörden. Sie liegt bei jedem Einzelnen. Eine durchimpfte Gemeinschaft ist der beste Schutz für alle besonders für diejenigen die nicht geimpft werden können. Die Entscheidung für einen Pieks kann schwerwiegende Folgen verhindern. Für Ihr Kind. Und für Ihre Nachbarn.
| Bezirk | Fallzahlen 2025 |
|---|---|
| Harburg | 122 |
| Mitte | 98 |
| Bergedorf | 82 |
| Wandsbek | 48 |
| Nord | 45 |