Als Journalistin, die seit über einem Jahrzehnt über das Leben in Düsseldorf berichtet, erlebe ich immer wieder, wie Sport diese Stadt zusammenschweißt. Ob am Rhein, im Grafenberger Wald oder in unseren Parks – die Liebe zur Bewegung ist Teil unserer Identität. Am 19. September schreibt der Südpark ein neues, außergewöhnliches Kapitel dieser Geschichte. Hier startet nicht einfach ein Lauf. Hier startet ein „Backyard Ultra“ – ein Wettbewerb, der weniger über Geschwindigkeit und mehr über puren Willen, Gemeinschaft und die eigene mentale Grenze entscheidet.
Der Ablauf ist so einfach wie gnadenlos: Alle 60 Minuten, pünktlich zur vollen Stunde, starten alle Läufer eine Runde von exakt 6,706 Kilometern. Wer die Runde nicht innerhalb der Stunde schafft, scheidet aus. Wer sie schafft, hat genau die verbleibende Zeit bis zum nächsten Start zur Erholung. Dann geht es wieder auf die Strecke. Runde um Runde. Stunde um Stunde. Tag und Nacht. Der letzte verbleibende Läufer gewinnt. Alle anderen gelten offiziell als „Did Not Finish“. Es ist ein Kampf gegen die Uhr, gegen die Müdigkeit und vor allem gegen den inneren Schweinehund.
„Das ist kein Rennen im klassischen Sinne, es ist ein gemeinsames Erleben von Extremen“, sagt Markus Schneider, einer der Organisatoren des Düsseldorfer Backyard Ultra. „Die Atmosphäre ist einzigartig. Es geht nicht darum, schneller zu sein als der andere, sondern gemeinsam weiter zu gehen. Bis nur noch einer übrig ist.“ Schneider, selbst erfahrener Ultraläufer, betont den inklusiven Charakter. Mit von der Partie sind sowohl absolute Lauprofis, die solche Formate kennen, als auch lokale Hobbysportler, die ihre persönliche Grenze erkunden wollen. Die 50 Startplätze waren innerhalb kürzester Zeit vergeben, ein Zeichen für die wachsende Faszination an dieser stillen Challenge.
Die Strecke führt auf naturbelassenen Wegen durch den Südpark, vorbei am Schloss Mickeln, immer entlang der Ruhr. Es ist eine abwechslungsreiche, aber fordernde Runde mit leichten Anstiegen und unebenen Abschnitten. Pro Runde müssen etwa 80 Höhenmeter überwunden werden. Was nach wenig klingt, summiert sich nach der 20. oder 30. Runde zu einem gewaltigen Berg. Die eigentliche Herausforderung beginnt oft erst in der zweiten Nacht, wenn der Schlafentzug zuschlägt und jeder Gedanke an Aufgeben verlockend wirkt.
Das Besondere an diesem Format ist die aktive Rolle der Zuschauer. Jeder, der spontan Lust bekommt, darf für eine einzige Runde mitlaufen – ohne Anmeldung, ohne Startgebühr. „Wir wollen die Barriere zwischen Athleten und Publikum aufheben“, erklärt Schneider. „Wenn Familien am Samstagnachmittag spazieren gehen, können sie einfach eine Stunde lang Teil des Events werden. Das schafft unglaubliche Motivation für die Teilnehmer, die in den dunklen Nachtstunden von jeder Unterstützung zehren.“ Diese offene Tür-Politik macht das Backyard Ultra zu einem echten Gemeinschaftsereignis für den gesamten Stadtteil und verwandelt den Park in eine lebendige, sportliche Bühne.
Für die Stadt Düsseldorf ist dieses Event ein Beispiel für die gelungene Nutzung öffentlicher Grünflächen für inklusive Sportformate. Es bindet Anwohner ein, belebt den Park und setzt auf sanften Tourismus. Anders als bei großen Straßenläufen gibt es keine gesperrten Straßen oder lärmenden Musikanlagen. Die Störung für die Nachbarschaft ist minimal, der Nutzen für das lokale Gemeinschaftsgefühl groß. Der Südpark, sonst eher ein Ort der Ruhe, wird für ein Wochenende zum Zentrum einer stillen, aber intensiven menschlichen Leistung.
| Rekorde | Details |
|---|---|
| Dauer | Über 30 Stunden |
| Deutscher Rekord | 40 Runden (knapp 40 Stunden) |
| Vorbereitung | Mentale und physische Strategie |
| Entscheidungen | Essenspausen, Schlafgelegenheiten, Sockenwechsel |
| Eigenverantwortung | Jede Entscheidung kann entscheidend sein |
| Schlafentzug | Besondere Herausforderung in der zweiten Nacht |
Der Backyard Ultra im Südpark ist mehr als nur ein Sportwettbewerb. Er ist ein Spiegelbild unseres Gemeinschaftssinns und ein Experiment in menschlicher Ausdauer, das direkt vor unserer Haustür stattfindet. Er erinnert uns daran, dass die größten Herausforderungen manchmal nicht darin bestehen, der Schnellste zu sein, sondern derjenige, der am längsten durchhält – unterstützt von der Energie derer, die einen auf jedem Schritt begleiten, sei es für eine Runde oder für viele Stunden. Am 19. September lohnt sich ein Spaziergang zum Südpark. Vielleicht laufen Sie ja sogar eine Runde mit.