Gerade noch rumpelte man durch Bonn wie gewohnt, jetzt herrscht auf vielen Linien gähnende Leere. Als ich an der Haltestelle stehe, fällt auf: Die gewohnten Doppelwagen sind kaum noch zu sehen. Meist kommt nur ein einzelnes Gefährt an, oft überfüllt. Das behördliche Fahrverbot für 60 von 75 Bahnen trifft die Stadt ins Mark. „Ein sicherer Weiterbetrieb sei nicht mehr verlässlich gewährleistet“, so die dürren Worte der Aufsichtsbehörde. Das klingt nicht nach Kleinigkeit.
Der Verkehrsforscher Prof. Christian Böttger bringt es auf den Punkt: „Das Geld fehlt bei der Instandhaltung der Infrastruktur.“ Politik und Betriebe setzen oft auf sichtbare Projekte. Stille, lebenswichtige Arbeit wie Wartung wird zurückgestellt. Die Folge sind nun mögliche Materialermüdungen an Rädern und Bremsen, von denen der WDR berichtet. Ich erinnere mich an eine holprige Fahrt letzte Woche und frage mich, ob das schon ein Vorbote war.
Der Blick auf die fast leeren Gleise zeigt mehr als ein technisches Problem. Es ist ein Sinnbild für kurzfristiges Denken. Man preist die Aufarbeitung alter Bahnen als sparsame Ingenieurskunst, vernachlässigt aber deren fortwährende Pflege. Jetzt, wo auch noch die Rheinbrücke gesperrt ist, offenbart sich die ganze Zerbrechlichkeit unseres Alltags. Ein funktionierender ÖPNV braucht mehr als Appelle zum Umstieg. Er braucht beständige Investitionen in das Unsichtbare, sonst steht am Ende alles still.