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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Berlin > Cooling Point im Mauerpark: Ein teures Experiment?
Berlin

Cooling Point im Mauerpark: Ein teures Experiment?

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Juli 31, 2026 4:59 a.m.
Julia Becker
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Berlin Cooling Point: Worth the €45,000?

Die Luft flimmert über dem Asphalt der Bernauer Straße, und die Sonne brennt erbarmungslos auf den Eingang des Mauerparks. Hier, wo sich an normalen Tagen ein buntes Treiben aus Flanierenden, Musikern und Parkbesuchern entfaltet, steht an diesem Donnerstag mit 36 Grad nur ein Ziel im Vordergrund: Abkühlung finden. Seit Juli 2025 bietet genau hier ein sogenannter „Cooling Point“ für 45.000 Euro öffentlich finanzierte Erfrischung. Das Pilotprojekt ist ein zentraler Baustein der Berliner Hitzeschutzstrategie, die Antworten auf immer häufiger und intensiver werdende Hitzewellen sucht. An diesem Tag der amtlichen Hitzewarnung zeigt sich, wer das Angebot nutzt, wie es ankommt – und ob die teure Investition der Stadt ihren Zweck erfüllt.

Direkt vor Ort ist die Stimmung überraschend eindeutig. „Wir sind ständig hier,“ sagt Jasmin B., eine Anwohnerin aus Prenzlauer Berg, während ihr Kind im feinen Sprühnebel der neuen Vernebelungsanlage steht. Sie hat heute frei und ist mit ihrer Familie zum Skaten im Park, bevor die stärkste Hitze des Tages kommt. „Gestern haben wir eine halbe Stunde hier im Schatten gesessen. Für die Kinder ist es perfekt.“ Ihrer Freundin Zoe B. geht es ähnlich. „Bei diesem Wetter ist es hier eine kleine Oase. Es ist einfach angenehmer.“

Der Star der Anlage ist zweifellos die Wassersäule. Ein Knopfdruck, und für etwa eine Minute sprüht ein feiner Nebel aus Trinkwasser in die Runde – ein simpler, aber effektiver Magnet, vor allem für Familien.

Das Konzept hinter dem Cooling Point ist klar umrissen. Initiiert vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) und der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, soll erprobt werden, wie sich die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum „unkompliziert, niedrigschwellig und sozial gerecht“ verbessern lässt. Es geht nicht um ein architektonisches Prestigeprojekt, sondern um einen praktischen Test: Können vergleichsweise einfache Maßnahmen wie:

  • Schattenflächen
  • Begrünung
  • Wasserspiele
  • Öffentliche Trinkbrunnen
  • Soziale Treffpunkte
  • Vernetzte Kühlungslösungen

Berlin verfolgt mit seiner Strategie einen Weg, den auch andere deutsche Großstädte wie Köln oder Frankfurt einschlagen, wo öffentliche Trinkbrunnen und beschattete Plätze ausgebaut werden. In einer Stadt, deren Innenstadtbezirke wie Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg oder Tempelhof aufgrund ihrer dichten Bebauung und hohen Versiegelung zu echten „Hitzeinseln“ werden, ist das eine Frage der öffentlichen Gesundheit.

Doch der Preis von 45.000 Euro plus laufender Wartungskosten sorgt seit der Eröffnung für kontroverse Diskussionen. Mauro I., ein 46-jähriger Fahrradkurier, der auf seiner Tour kurz Halt macht, findet das Projekt grundsätzlich gut. „Es ist ein gutes Experiment, um zu gucken, ob es funktioniert.“ Jeden Tag ist er acht Stunden auf dem Rad unterwegs und hat mental bereits eine Karte aller öffentlichen Trinkbrunnen in seiner Route. „Jedes Jahr braucht es mehr davon,“ betont er. Als er jedoch den konkreten Preis erfährt, zuckt er zusammen. „Oh, das ist schon ordentlich.“ Wolfgang A., ein weiterer Radfahrer, der eine kurze Erfrischungspause einlegt, pflichtet bei: „Daumen hoch für die Idee, aber das kann man auch billiger machen.“

Die schärfste Kritik kommt vom Bund der Steuerzahler. Der Verband bezeichnete die Maßnahme als „komplett verfehlt“ und „ärgerliche Steuergeldverschwendung“. Kritiker monieren zurecht, dass die Anlage nur eine sehr kleine Fläche bedient und somit nur wenigen Menschen gleichzeitig zugutekommt. Auch der Standort wird hinterfragt: Der Mauerpark verfügt bereits über natürliche Schattenbereiche. Wäre die Investition nicht in einem komplett versiegelten, hitzegeplagten Innenhof in Neukölln oder an einem großen, schattenlosen Platz in Wedding dringender benötigt? Diese Fragen spiegeln eine grundsätzliche Debatte wider: Sollte die Stadt lieber:

Option Vorteil Nachteil
Viele kleine Lösungen Erreicht mehr Menschen Kann teuer in der Umsetzung sein
Wenige teure Pilotprojekte Hohe Sichtbarkeit Könnte weniger Leute erreichen

Interessant ist der Blick auf die Nutzung. Zwei Parkmitarbeiter, die regelmäßig den Cooling Point kontrollieren, bestätigen, dass das Angebot gut angenommen wird. Vor allem Familien mit Kindern, Jugendliche und ältere Menschen, die gezielt eine Pause im Park einlegen, nutzen die Sitzgelegenheiten und die Wasserspiele. Es ist ein niedrigschwelliger Treffpunkt geworden. Doch fast alle Befragten vor Ort äußern einen weiteren, wichtigen Gedanken: Der Vandalismus, dem die Anlage etwa einen Monat nach der Eröffnung ausgesetzt war – als Unbekannte etliche der teuren Pflanzen entwendeten – und die anhaltende öffentliche Kritik zeugen von einem mangelnden Wertschätzungsproblem. „Es wird nicht wertgeschätzt, das ist das Problem leider,“ stellt Zoe B. fest. Wolfgang A. meint ähnlich, der Ort bekomme keine angemessene Würdigung.

Trotz der kontroversen Diskussionen um die Kosten sind sich alle befragten Nutzer in einem Punkt einig: Berlin braucht mehr solcher Angebote. Die Hitzewellen werden nicht weniger, und die vulnerable Gruppen – ältere Menschen, Kleinkinder, chronisch Kranke oder Obdachlose – sind auf öffentlich zugängliche Kühlmöglichkeiten angewiesen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie. Sollte die Stadtverwaltung in Zukunft auf kostengünstigere, modularere Systeme setzen, die schneller und in größerer Zahl in verschiedenen Kiezen aufgestellt werden können? Können bestehende Parks wie der Görlitzer Park, der Volkspark Hasenheide oder die großen Plätze wie der Alexanderplatz oder der Hermannplatz mit ähnlichen, aber vielleicht effizienteren Konzepten ausgestattet werden?

Das Fazit vom Mauerpark fällt differenziert aus. Als praktische, lebensnahe Hilfe für die Menschen, die ihn an heißen Tagen aufsuchen, hält der 45.000-Euro-Cooling-Point absolut, was er verspricht: Er bietet eine messbar kühlere, angenehmere und sozial gerechte Aufenthaltsmöglichkeit. In seiner Wirkung als Pilotprojekt ist er wertvoll, um Erfahrungen zu sammeln. Ob er sein volles Potenzial als Modell für die ganze Stadt entfalten kann, hängt jedoch entscheidend von den nächsten Schritten der Politik ab. Der Berliner Senat und die Bezirke müssen jetzt aus diesem Experiment lernen und eine skalierbare, bezahlbare und vor allem zielgenauere Strategie entwickeln. Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt – und mit ihr der Bedarf an vielen kleinen Oasen in einer immer heißer werdenden Stadt.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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