Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als jede Straßenbahn in Dortmund voll war mit diesen orangen und blauen Tüten?
Sie hingen über den Schultern von Jugendlichen, baumelten von den Händen der Einkäufer. Sie waren das sichtbare Zeichen: Ich war bei Coast. In den 1990er Jahren war das Geschäft Coast an der Kampstraße, gleich neben der Reinoldikirche, der unangefochtene Mode-Treffpunkt. Wer dazugehören wollte, brauchte mehr als nur Markenkleidung. Man brauchte die ikonische Tragetasche.
Die Plastiktüte mit dem weißen Schriftzug auf kräftigem Farbgrund war mehr als nur ein Transportbeutel. Sie war ein Statussymbol und der letzte Schritt des Einkaufsrituals. Auch wenn man sich nur eine kleine Kette oder einen Aufnäher kaufte, bekam man die Tüte. Für viele Jugendliche war sie das eigentliche Ziel. Sie signalisierte der Welt, dass man bei dem angesagtesten Laden der Stadt eingekauft hatte.
Hinter dem Kultobjekt steht ein Mann, der das Geschäft aus der Pleite führte.
Joachim Bernstein, heute 75 Jahre alt, erinnert sich genau. Als er das Geschäft 1990 übernahm, stand Coast vor dem Aus. Er baute es neu auf. Sein Erfolgsgeheimnis war ein klares Konzept. Coast bot genau das, was die Jugend wollte. Levi‘s Jeans, Buffalo-Schuhe und die ersten Doc Martens Stiefel fanden hier ihren Weg nach Dortmund. Das Geschäft wurde zum Pilgerort für eine ganze Generation.
Bernstein verstand, dass Shopping mehr ist als nur Kleidung kaufen. Es ist ein Erlebnis. Die Gestaltung des Ladens, die Musik und eben auch die berühmte Tüte waren Teil dieses Gefühls. Die Tüte war sein persönlicher Entwurf. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Design, das sich in das Stadtbild einbrannte.
Mit den 2000er Jahren veränderte sich die Mode und die großen Ketten zogen in die Innenstadt.
Die Ära der kleinen, angesagten Fachgeschäfte wie Coast ging langsam zu Ende. Die Marke Coast verschwand schließlich. Doch die Tüte überlebte. Sie tauchte noch Jahre später auf Flohmärkten auf oder lag aufbewahrt auf Dachböden. Sie wurde zu einem konkreten Stück Dortmunder Jugendkulturgeschichte.
Heute spricht man von einem Revival der 90er Jahre. Die Mode kehrt zurück. Und mit ihr die Sehnsucht nach den konkreten Symbolen dieser Zeit. Die Erinnerung an die Coast-Tüte ist so lebendig, dass es Gerüchte über eine Rückkehr der Marke gibt. Ob das stimmt, bleibt abzuwarten. Was bleibt, ist die kollektive Erinnerung einer Stadt.
Wenn Sie also heute eine orangefarbene oder blaue Plastiktüte mit einem weißen «Coast» darauf sehen, dann sehen Sie mehr als nur Altplastik. Sie sehen ein Stück Dortmunder Identität. Sie sehen den Geist einer Ära, in der ein kleines Geschäft an der Reinoldikirche den Puls der Jugend bestimmte. Und vielleicht spüren Sie ja selbst wieder dieses besondere Gefühl. Das Gefühl, genau dort gewesen zu sein, wo es gerade am angesagtesten war.
- Der Nervenkitzel des Einkaufens
- Die Farbvielfalt der Tüten
- Die Bedeutung von Marken
- Die Trends der 90er Jahre
- Die kulturelle Relevanz von Coast
- Die Rückkehr der Nostalgie
| Jahrzehnt | Ereignis | Einfluss |
|---|---|---|
| 1990er | Übernahme von Coast | Beginn einer neuen Ära |
| 2000er | Rückgang kleiner Geschäfte | Einfluss großer Ketten |
| 2010er | Erhalt von Coast-Tüten | Symbol für Jugendkultur |
| 2020er | Revival der 90er Jahre | Nostalgie und Rückkehr von Trends |