DVB-Kürzungen: Dresden muss bei Straßenbahn und Bus weiter sparen – jetzt werden konkrete Linien bekannt
Die Dresdner Verkehrsbetriebe stehen vor der wohl schwersten Kürzungsrunde der letzten Jahre. Wie eine interne Verwaltungsvorlage der Stadtverwaltung, die Nachrichten Lokal vorliegt, detailliert zeigt, soll das Angebot bei Straßenbahnen und Bussen um rund zehn Prozent reduziert werden. Ziel ist es, im kommenden Jahr 8,3 Millionen Euro einzusparen. Die Pläne bedeuten weniger Fahrten auf fast allen Hauptachsen, gestrichene Streckenabschnitte und massive Einschnitte im Samstagsverkehr. Der Stadtrat muss Ende November darüber entscheiden, doch erste Fraktionen lehnen die Vorlage bereits jetzt entschieden ab.
Konkret sieht der Sparkurs vor, dass insgesamt 11 Straßenbahn- und 23 Buslinien weniger auf den Straßen unterwegs sein werden. Damit verbunden ist der Wegfall von etwa 100 Arbeitsplätzen bei den DVB. Für die Dresdnerinnen und Dresdner bedeutet das in der täglichen Praxis: längere Wartezeiten, umständlichere Umstiege und teilweise deutlich längere Fußwege zu den Haltestellen. Besonders betroffen sind Stadtteile am Rand, wo der ÖPNV ohnehin schon dünner getaktet ist.
Die wichtigsten Änderungen im Detail: Wo fährt künftig nichts mehr?
Die Vorlage listet präzise auf, wo der Rotstift angesetzt werden soll. Besonders gravierend sind die Eingriffe in das Straßenbahnnetz, das Rückgrat des Dresdner Nahverkehrs.
Linie 8 wird ihren Südast verlieren. Sie verkehrt dann nur noch zwischen Hellerau und Postplatz. Die wichtige Verbindung in die Südvorstadt und nach Strehlen entfällt. Die Stadt begründet dies damit, dass so Kapazitäten für eine mögliche spätere Verlängerung der Linie zu den Chip-Werken in den Norden freigehalten werden – ein schwacher Trost für die Anwohner im Süden, die auf diese Direktverbindung angewiesen sind.
Linien 10 und 12, beide wichtige Nord-Süd-Verbindungen durch die Innenstadt, werden von Montag bis Samstag nur noch im 20-Minuten-Takt fahren. Bisher waren es zehn Minuten. Zudem werden ihre Routen geändert: Die Linie 10 fährt nicht mehr über den Lennéplatz, die Linie 12 nicht mehr über den Postplatz. Teile dieser Strecken soll stattdessen eine umgeleitete Linie 1 übernehmen, die künftig vom Postplatz über die Freiberger und Tharandter Straße nach Altcotta und Leutewitz fahren soll.
Einen deutlichen Wegfall erlebt auch die Linie 13. Sie endet von Prohlis kommend künftig bereits in Mickten und erreicht nicht mehr den westlichen Endpunkt in Kaditz. Die Bewohner in Kaditz müssen sich dann auf Busse oder einen Umstieg verlassen.
Eine massive Verschlechterung für alle, die am Samstag mit öffentlichen Verkehrsmitteln einkaufen oder in die Stadt fahren wollen: Der sogenannte Einkaufstakt entfällt vollständig. Die stark frequentierten Linien 3, 4, 7, 9 und 11 fahren dann nur noch alle 15 Minuten statt wie bisher teilweise im 10-Minuten-Takt. Das gleiche Schicksal trifft die wichtige Buslinie 62.
Auch im Busnetz wird großflächig ausgedünnt. Auf vielen Linien werden die Intervalle gestreckt. Die Linie 61 fährt zwischen Bühlau und dem Fernsehturm nur noch alle 30 Minuten. Die Linien 62 und 63 werden auf einen 20-Minuten-Takt reduziert. Besonders hart trifft es die weniger frequentierten Busverbindungen in die Außenbezirke: Die Linien 79, 81, 85, 87, 88 und 90 sollen ganztägig nur noch im 30-Minuten-Takt verkehren. Das macht die Nutzung des ÖPNV für viele Menschen in diesen Gebieten unattraktiv und isoliert diese Stadtteile noch weiter.
Es gibt auch minimale Gegenbewegungen: Die Linie 7 soll zwischen Pennrich und Gorbitz wieder im 10-Minuten-Takt fahren. Dafür wird jedoch die Buslinie 70 deutlich verkürzt und endet im Bereich Hirtenstraße statt wie bisher in Gompitz – auch hier also eine deutliche Verschlechterung für die betroffenen Anwohner.
Stadtrat muss entscheiden: Scharfer Widerstand aus den Fraktionen
Die Vorlage liegt nun den Stadtratsfraktionen zur Beratung vor. Eine endgültige Entscheidung wird für Ende November erwartet. Doch der Widerstand formiert sich bereits schnell und deutlich.
- SPD-Fraktion spricht bereits von „Kürzungswahnsinn”.
- Grüne bezeichnen die Pläne als „Kürzungsorgie”.
- Linke kritisiert die Pläne als „neoliberale Experimente”.
- Der ÖPNV als attraktive und klimafreundliche Alternative zum Auto wird aushöhlen.
- Ein ausgedünnter Nahverkehr widerspricht dem Ziel, mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen.
- Die Debatte spitzt sich um die Priorität des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadtpolitik.
Die Debatte wird sich in den kommenden Wochen vermutlich weiter zuspitzen. Es geht um die grundsätzliche Frage, welche Priorität die Stadtpolitik dem öffentlichen Nahverkehr einräumt. Ist er nur eine Kostenstelle, die in schwierigen Haushaltszeiten zuerst gekürzt wird? Oder ist er eine essenzielle öffentliche Daseinsvorsorge, eine Investition in die Lebensqualität, den sozialen Zusammenhalt und den Klimaschutz, die auch in schwierigen Zeiten verteidigt werden muss?
Für die Dresdner Bürgerinnen und Bürger bedeutet diese Entscheidung ganz konkret, ob sie in Zukunft länger an Haltestellen warten, häufiger umsteigen oder weitere Wege zu Fuß zurücklegen müssen. Die geplanten Kürzungen treffen nicht alle gleich: Menschen ohne Auto, Familien mit Kindern, Ältere und Bewohner in den äußeren Stadtteilen werden die Einschnitte besonders stark zu spüren bekommen. Die anstehende Stadtratsentscheidung wird zeigen, wie viel ihre Mobilität der Stadt wirklich wert ist.
| Linie | Änderung | Details |
|---|---|---|
| Linie 8 | Verlust des Südastes | Verkehrt nur noch zwischen Hellerau und Postplatz |
| Linien 10 und 12 | Reduzierter Takt | Nur noch 20-Minuten-Takt von Mo bis Sa |
| Linie 13 | Endpunkt verkürzt | Endet künftig in Mickten, nicht in Kaditz |
| Linien 3, 4, 7, 9, 11 | Änderung im Samstagstakt | Fahren nur noch alle 15 Minuten |
| Buslinie 61 | Wegenverlängerung | Fährt nur noch alle 30 Minuten |
| Buslinien 79, 81, 85, 87, 88, 90 | Änderung im Takt | Fahren ganztägig nur noch im 30-Minuten-Takt |