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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Dresden > Notfallübung in Dresden: 200 Teilnehmer proben Ernstfall am Flughafen
Dresden

Notfallübung in Dresden: 200 Teilnehmer proben Ernstfall am Flughafen

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 24, 2026 6:39 a.m.
Julia Becker
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Es ist ein Bild, das niemand sehen möchte, aber auf das sich alle vorbereiten müssen: Zwei Flugzeuge liegen auf dem Vorfeld des Dresdner Flughafens, aus einem dringt dichter, schwarzer Rauch. Rettungswagen mit Blaulicht rasen über das Rollfeld, Feuerwehrleute in silbernen Hitzeschutzanzügen kämpfen sich zum Brandherd vor. Doch an diesem Tag ist die angespannte Atmosphäre kontrolliert, das Adrenalin ist geplant. Was nach einer schweren Katastrophe aussieht, ist eine sorgfältig inszenierte Übung. Unter dem Codenamen „Phantom Crash 2025“ haben rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Flughafenpersonal am Dienstag den absoluten Ernstfall trainiert: die Kollision eines Großraumflugzeugs mit einer weiteren Passagiermaschine direkt am Terminal.

„Das Übungsszenario ist bewusst an der Grenze des maximal Möglichen angesiedelt“, erklärt Flughafen-Sprecherin Julia Eberlein im Gespräch mit Nachrichten Lokal. „Wir simulieren einen Totalverlust mit massivem Brand, vielen Verletzten und der höchsten Alarmstufe. Nur wenn wir für das Schlimmste trainieren, sind wir für alles gewappnet.“ Während des laufenden Flugbetriebs – ohne Einschränkungen für Reisende – wurde auf einem abgesperrten Teil des Vorfelds die Havarie zweier Airbus A320-Attrappen geprobt. Eine Brandsimulationsanlage sorgte mit echtem Feuer und synthetischem Rauch für realistische Bedingungen.

Für die Dresdner ist der Flughafen mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt. Als Tor zur Welt für Sachsens Wirtschaft und als wichtiger Arbeitgeber im Norden der Stadt ist seine Sicherheit ein entscheidender Faktor für das Vertrauen in die gesamte Region. Übungen dieser Größenordnung, die alle drei bis vier Jahre stattfinden, sind daher keine reine Routine, sondern ein essentieller Stresstest für die gesamte städtische Sicherheitsinfrastruktur. Sie werfen die Frage auf: Wie gut sind unsere Rettungskräfte auf eine große Krise vorbereitet, die nicht nur den Flughafen, sondern das ganze Stadtgefüge betreffen könnte?

Die Zahlen der Übung zeigen ihren Umfang: Neben den 200 Teilnehmern vor Ort waren weitere 50 in den Führungsstäben eingebunden. 80 Freiwillige der Johanniter und des Deutschen Roten Kreuzes agierten als geschminkte Statisten mit unterschiedlichsten Verletzungsmustern – von leichten Schnittwunden bis zu schweren Brandverletzungen und traumatischen Schockzuständen. „Die realistisch dargestellten Verletzungen sind entscheidend“, betont Dr. Markus Weber, Leitender Notarzt des Übungseinsatzes. „Sie zwingen die Rettungskräfte unter Zeitdruck, die richtigen medizinischen Prioritäten zu setzen: Wer muss sofort versorgt werden? Wer kann warten? Diese Triage-Entscheidung kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.“

Im Hintergrund liefen parallel die Abläufe in der neu modernisierten Einsatzzentrale des Flughafens auf Hochtouren. Von hier aus wurden die Kräfte koordiniert, die Kommunikation mit der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle der Stadt Dresden sowie mit der Polizei sichergestellt. „Die größte Herausforderung bei einem so komplexen Lagenbild ist die klare Führung und Information“, sagt Einsatzleiter Frank Schneider von der Flughafenfeuerwehr. „Wer macht was, wo werden die Verletzten gesammelt, wie kommen externe Kräfte zügig auf das gesicherte Gelände? Unsere Alarm- und Einsatzpläne müssen in solchen Minuten funktionieren wie ein Uhrwerk.“

Genau diese Pläne standen im Fokus der Übung. Sie sind das Ergebnis langjähriger Erfahrung und gesetzlicher Vorgaben, die deutsche Flughäfen zu den sichersten der Welt machen. Die europäische Verordnung (EU) Nr. 139/2014 sowie das deutsche Luftverkehrsgesetz schreiben regelmäßige Großübungen verbindlich vor. Die Anforderungen sind präzise: Die Flughafenfeuerwehr muss innerhalb von drei Minuten die erste, innerhalb von fünf Minuten alle weiteren Löschfahrzeuge an jeder Stelle der Start- und Landebahn erreichen können. Bei der gestrigen Übung lag die tatsächliche Anfahrtzeit der ersten Löschgruppe bei unter zwei Minuten.

Doch was bedeutet diese abstrakte Sicherheit am Ende des Terminals konkret für die Dresdnerinnen und Dresdner? Zum einen ist da der direkte Schutz für die jährlich rund 1,2 Millionen Passagiere, die in Dresden abfliegen oder ankommen. Zum anderen geht es um die Anwohner in den angrenzenden Stadtteilen wie Klotzsche oder Hellerau. Ein schwerer Flugunfall hätte nicht nur menschliche Tragödien zur Folge, sondern könnte durch Rauchwolken oder Evakuierungen unmittelbare Auswirkungen auf die umliegenden Wohngebiete haben. Die Übung beinhaltete daher auch die Koordination mit der Stadt Dresden für den Fall, dass Gefahr für das Umland bestünde.

„Die Schnittstelle zwischen Flughafen und städtischen Kräften ist ein kritischer Punkt“, analysiert Sicherheitsexperte Prof. Karlheinz Lorenz von der Hochschule der Sächsischen Polizei. „Eine Havarie ist nie nur ein Flughafenereignis. Sie wird sofort zu einem kommunalen Großschadensereignis. Die nahtlose Integration der Flughafenfeuerwehr in den Alarmplan der Stadt, die gemeinsame Funkfrequenz, die einheitlichen Führungsstrukturen – all das muss im Vorhinein perfekt eingespielt sein. Übungen wie diese sind der einzige Weg, diese Abläufe zu validieren.“

Auch die psychologische Komponente spielt eine große Rolle. Für die Einsatzkräfte, die meist nur mit Bränden in Wohnhäusern oder bei Verkehrsunfällen konfrontiert sind, ist die Dimension eines brennenden Flugzeugs mit über 100 möglichen Opfern eine enorme mentale Belastung. Die Übung soll auch hier Sicherheit geben. „Man gewöhnt sich an das Bild, an den Lärm, an das Chaos“, sagt Feuerwehrmann Tom Richter nach dem Einsatz. „Das Adrenalin ist in der Übung schon echt. Wenn es dann einmal wirklich passiert – was wir alle nicht hoffen – dann ist wenigstens das Gefühl da: Das kenne ich, das haben wir geübt. Das hilft, einen klaren Kopf zu behalten.“

Die Auswertung der Übung wird nun mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Jeder Handgriff, jede Funkmeldung, jede Entscheidung wird analysiert. Wo gab es Verzögerungen? Wo waren die Kommunikationswege nicht optimal? Welche Materialien fehlten? Ein detaillierter Abschlussbericht wird nicht nur intern, sondern auch an die Aufsichtsbehörden gehen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Überarbeitung der Alarmpläne und in die Aus- und Fortbildung der nächsten Monate ein.

Für die Bürgerinnen und Bürger bleibt am Ende eine beruhigende und doch nachdenklich stimmende Erkenntnis. Die Sicherheit, die wir im Alltag oft als selbstverständlich hinnehmen – ob beim Einchecken für den Urlaubsflug oder beim Überflug der eigenen Wohnung – ist das Ergebnis ständiger, unsichtbarer Arbeit. Sie wird von Menschen geleistet, die für den schlimmsten Fall proben, damit er nie eintritt. Die regelmäßige Generalprobe am Flughafen ist damit mehr als eine Pflichtveranstaltung. Sie ist ein wesentlicher Mosaikstein in der Sicherheitsarchitektur der gesamten Stadt Dresden und ein starkes Signal: Hier arbeiten Menschen Hand in Hand, um die Gemeinschaft bestmöglich zu schützen – heute, bei einer Übung, und im hoffentlich nie kommenden Ernstfall.

  • Rund 200 Einsatzkräfte trainieren
  • 60 Statisten simulieren Verletzungen
  • Koordination mit städtischen Kräften
  • Nachhaltige Auswertung der Übung
  • Psychologische Unterstützung für Einsatzkräfte
  • Regelmäßige Großübungen vorgeschrieben
Aspekt Details
Übungsname Phantom Crash 2025
Teilnehmer 200 Einsatzkräfte, 50 Führungsstab, 80 Statisten
Anfahrtszeit Unter 2 Minuten
Passagiere jährlich 1,2 Millionen
Übungsfrequenz Alle 3-4 Jahre
Wichtigste Herausforderung Klare Führung und Information
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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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