Rund zweitausend Menschen füllten am Montagabend die Wiese vor dem Goethe-Museum in Düsseldorf. Sie standen dort nicht für die AfD. Sie standen dagegen. Sie waren gekommen, um ein Zeichen zu setzen, als der Kreisverband der AfD zu einem kulturpolitischen Spaziergang mit dem Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich lud. Was als kleiner Rundgang der Rechtspartei geplant war, wurde zu einer deutlichen Standortbestimmung der Düsseldorfer Stadtgesellschaft.
Der Abend begann an einem symbolträchtigen Ort, dem Denkmal für Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“. Die Polizei nutzte das aufgeschlagene Steinbuch als Befestigung für ein Absperrband. Es teilte die Wiese in zwei Hälften. Auf der einen Seite versammelten sich etwa zwei Dutzend AfD-Anhänger, darunter mehrere rechte Streamer. Auf der anderen Seite drängten sich Hunderte, die der Einladung des Bündnisses „Düsseldorfer Kultur für Demokratie“ gefolgt waren.
Dieses Bündnis aus Kulturschaffenden hatte sich gegründet, weil die lokale AfD-Ratsfraktion bereits jetzt versucht, städtische Mittel für die freie Szene oder Einrichtungen wie das zakk zu streichen. Die Sorgen sind konkret. In ihrem Positionspapier zur Kulturpolitik fordert die AfD eine Fokussierung auf eine enge deutsche Identität. Sie will die sogenannte „Schuld- und Schamkultur“ in Bezug auf die NS-Zeit beenden. Sie fordert das Ende der Förderung für Kunst, die sich gegen nationale Symbole oder Traditionen richtet.
Andreas Karlaganis, der Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, brachte den Widerspruch des Abends auf den Punkt. Er sagte, eine Partei lade zu einem kulturpolitischen Vortrag unter dem Titel „Kulturpolitik von rechts“ ein. Das sei ein Widerspruch in sich. Denn Artikel 5 des Grundgesetzes garantiere die Freiheit von Kunst und Meinung. Die AfD berufe sich zwar auch auf dieses Grundgesetz, wenn sie die Freiheit der Kunst betont. Gleichzeitig argumentiere sie, dass das Grundgesetz zwar Kunstfreiheit garantiere, aber nicht deren Finanzierung durch den Staat. Das öffne die Tür für massive Kürzungen.
Um 17 Uhr sollte der AfD-Spaziergang starten. Pünktlich ging es nicht los. Schließlich bildete die Polizei ein Spalier für die Gruppe um Matthias Helferich. Sie geleitete sie auf einer Route durch die Innenstadt. Diesen Tross begleiteten viele hundert Gegendemonstranten. Sie skandierten lautstark „Nazis raus“. Die Polizei beschrieb die Lage später als weitgehend friedlich. Beobachter sahen jedoch Unterschiede im Umgang mit den Gruppen. AfD-nahe Influencer durften provozieren und pöbeln, offenbar geschützt durch die Polizeipräsenz. Gegendemonstranten wurden dagegen gedrängt und der Zugang zu bestimmten Bereichen wurde ihnen verwehrt.
Auf ihrem Weg passierte die AfD-Gruppe den Grabbeplatz. Dort hatten sich die „Omas gegen Rechts“ versammelt. Ihr Motto: Eine klare Absage an den Versuch der AfD, den Dichter Heinrich Heine für sich zu vereinnahmen. Auch das Team der Mahn- und Gedenkstätte war präsent. Die Erinnerungskultur, die diese Einrichtung pflegt, ist der AfD ein besonderer Dorn im Auge.
Das finale Ziel des Spaziergangs war das Palais Wittgenstein. Dort wollte Helferich seinen Vortrag halten. Unweit davon, in der Carlstadt, gab es eine weitere Protestkundgebung. Das Motto dort: Es gab Reden von Schauspielern und Kulturschaffenden. Die Polizei riegelte die Bilker Straße jedoch ab. Viele der Gegendemonstranten konnten so nicht zu diesem Treffen gelangen.
Währenddessen gab es vor dem Goethe-Museum ein alternatives Kulturprogramm. Das Stadtkollektiv trat mit einem Sprechchor auf. Es wurden Teile einer Revue von Friedrich Holländer gespielt. Immer wieder fuhr ein Auto mit einem besonderen Motiv vorbei. Es zeigte den großen, bunten Pappmaché-Fisch „Wir sind mehr“ aus der Fernsehserie „Tilly“, der den kleinen AfD-Fisch mit der Aufschrift „Wir sind das Volk“ verschlingen möchte. Ein bildstarkes Symbol des Widerstands.
Der Abend endete mit einer klaren Botschaft. Rund 2000 Menschen haben in Düsseldorf gezeigt, dass Veranstaltungen der AfD in dieser Stadt nicht unbeantwortet bleiben. Die Polizei kündigte an, Teilnehmer im Nachhinein wegen Nötigung vorzuladen. Das wird die Proteste nicht stoppen. Die Düsseldorfer Kulturszene und weite Teile der Bürgerschaft haben verstanden, dass es hier um mehr geht als nur um Kunstförderung. Es geht um die Grundfrage, in was für einer Stadt sie leben wollen. Die Antwort am Montag war deutlich: in einer bunten, freien und demokratischen.
- Rund zweitausend Menschen protestierten
- Denkmal für Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ als Symbol
- Bündnis „Düsseldorfer Kultur für Demokratie“ gegründet
- AfD fordert Fokussierung auf deutsche Identität
- Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert Kunstfreiheit
- Widerstand gegen AfD und ihre Positionen
| Gruppe | Aktion | Motto |
|---|---|---|
| AfD-Anhänger | Kulturpolitischer Spaziergang | „Kulturpolitik von rechts“ |
| Düsseldorfer Kultur für Demokratie | Gegendemonstration | „Nazis raus“ |
| Omas gegen Rechts | Versammlung | „Heine hätte sich zu uns gestellt!“ |
| Carlstadt Protest | Reden von Kulturschaffenden | „Carlstadt ist bunt. Nicht braun.“ |
| Stadtkollektiv | Alternatives Kulturprogramm | „Wir sind mehr“ |
| Polizei | Begleitete die AfD-Gruppe | „Lage weitgehend friedlich“ |