Es war ein kalter Samstagnachmittag in München. Vor der Ludwig-Maximilians-Universität sammelten sich Menschen. Sie trugen bunte Kleidung. Über ihnen schauten feiernde Absolventen aus den Fenstern. Sie hielten Sektgläser in der Hand und fotografierten das bunte Meer unten. Die Szene wirkt fast wie eine Party. Doch die rund 4.000 Menschen, so schätzte die Polizei, waren aus einem anderen Grund hier. Sie protestierten unter dem Motto «Gen Z regelt».
Die Stimmung war friedlich. So friedlich, dass die Vorsichtsmaßnahmen einiger Luxusgeschäfte in der Innenstadt übertrieben wirkten. Sie hatten ihre Fenster aus Angst vor Jugendprotesten verbarrikadiert. Doch von Randale keine Spur. Stattdessen gab es Reden, Musik von Rapperinnen und eine Trommelgruppe mit überwiegend grauen Haaren. Das zeigte etwas Wichtiges. Dieser Protest war kein reiner Jugendprotest. Es war ein sozialer Protest, der Generationen verband.
Der 20-jährige Schüler Julian war einer der Teilnehmer. Er konnte nicht verstehen, warum bei der Bildung gespart wird. Gleichzeitig fließe massenhaft Geld in die Aufrüstung. «Deshalb finde ich es superwichtig, heute ein Zeichen dagegen zu setzen» sagte er. Auf der Bühne wurde die Botschaft schärfer. Organisatorin Amelie sprach mit Emotion. Sie fühlte sich von der Politik im Stich gelassen. Als sie über Superreiche schimpfte, die «um die Welt jetten», war der Applaus am lautesten. «Wir sind kein Sparposten. Es wird Zeit, dass das auch der letzte Boomer checkt», rief sie der Menge zu.
Die Forderungen gingen über klassische Jugendthemen hinaus. Das Bündnis verlangte:
- Investitionen in Bildung
- Besseren Zugang zu Psychotherapie
- Bezahlbares Leben für alle
- Gerechtere Verteilung der Lasten
- Verbesserung des Bildungssystems
- Abschaffung der Wehrpflicht
Deshalb stand auch der 62-jährige Peter auf dem Geschwister-Scholl-Platz. Er identifizierte sich mit den jungen Menschen. «Die Sozialkürzungen waren noch nie so schlimm wie jetzt» erzählte er. Als Verkäufer erwarte er eine Rente von 1.200 Euro. Bei Münchner Mieten reiche das kaum für eine Wohnung. Die Wut der Jugend auf die Wehrpflicht und das Bildungssystem könne er «voll verstehen».
Die Zusammensetzung des Protests machte seine politische Richtung klar. Unter den Unterzeichnern eines vorab verschickten Brandbriefs an Kanzler Friedrich Merz waren Linken- und Grünen-Politiker. Auf der Demonstration selbst waren Flaggen linker Kleinstparteien zu sehen. Auch Transparente der Antifaschistischen Aktion. Rufe wie «Free Palestine» oder «Krieg den Palästen» waren im Zug zu hören. Der Protest mobilisierte bis in die linksextreme Szene. Dennoch blieb die Atmosphäre durchgehend ruhig.
| Alter | Beruf | Meinung |
|---|---|---|
| 20 | Schüler | Bildungsinvestitionen wichtig |
| 62 | Verkäufer | Sozialkürzungen schlimm |
Das Verhältnis zur Polizei war gespalten. Zwei Frauen wollten Beamten Blumen schenken. Die Polizisten lehnten lächelnd ab. Später, als ein Veranstalter der Polizei öffentlich danken wollte, kippte die Stimmung kurz. Seine Aufforderung «Macht mal Lärm für die Polizei» löste schallende Buhrufe aus einem Teil des Zuges aus. Die Polizei selbst hielt sich dezent im Hintergrund. Sie begleitete den Zug in überschaubarer Zahl und mit Abstand.
Der Protest endete, wie er begonnen hatte. Friedlich. Er plätscherte seinem Ende entgegen. Die eigentliche Nachricht des Tages war jedoch nicht die Demo selbst. Es war das Bild, das sie zeichnete. Die Gen Z wird oft als eine Einheit dargestellt. An diesem Tag in München wurde deutlich, dass ihre Unzufriedenheit ungleich verteilt ist. Genau wie ihr Vermögen. Der Protest sprach nicht für eine ganze Generation. Er sprach für diejenigen, die sich von der aktuellen Politik abgehängt fühlen. Jung und Alt.
Die Organisatoren kündigten an, dass dies erst der Anfang sein solle. Sollte die Politik nicht reagieren, werde man zu Streiks aufrufen. In der Schule, an der Uni und im Betrieb. Ob daraus eine dauerhafte Bewegung wird, ist ungewiss. Klar ist, dass der soziale Frust in München, einer der reichsten Städte Deutschlands, eine neue Plattform gefunden hat. Sie sieht aus wie eine bunte Party. Aber ihre Forderungen sind ernst.