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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Hamburg > Hamburgs Wohnungsbau stagniert: Mieten steigen rasant – Was das für Sie bedeutet
Hamburg

Hamburgs Wohnungsbau stagniert: Mieten steigen rasant – Was das für Sie bedeutet

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Oktober 26, 2026 1:01 p.m.
Julia Becker
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Artikel über Wohnungsbau in Hamburg

Eigentlich müsste es in Hamburg jetzt überall Baustellen geben. Überall dort, wo noch eine Lücke zwischen den Häusern klafft. Oder auf den vielen ehemaligen Gewerbeflächen, die für neues Wohnen vorgesehen sind. Doch wer durch die Stadtteile geht, sieht etwas anderes. Vielerorts herrscht eine merkwürdige Ruhe. Die großen Kräne, die noch vor wenigen Jahren das Bild prägten, sind seltener geworden. Diese Stille hat einen genauen Grund. Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg nur noch 6.300 neue Wohnungen fertiggestellt. So wenige waren es seit dem Jahr 2012 nicht mehr. Das ist ein Rückgang um mehr als zwanzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der einstige Bauboom ist definitiv vorbei. Während die Bautätigkeit einbricht, passiert gleichzeitig etwas anderes. Die Mieten für Bestandswohnungen steigen weiter und gehören zu den höchsten in ganz Deutschland. Sie haben sich im letzten Jahr um durchschnittlich sechs Prozent erhöht. In beliebten Stadtteilen wie Eimsbüttel oder Altona sind sogar Sprünge von acht bis zehn Prozent keine Seltenheit mehr. Diese zwei Entwicklungen prägen gerade die Wohnungsfrage in unserer Stadt. Zu wenig Neues entsteht. Das Vorhandene wird immer teurer.

Dahinter steckt ein ganzer Strauß von Problemen, die sich über Jahre angestaut haben. Die Stadtverwaltung nennt vor allem drei Gründe:

  • Die Baukosten sind extrem hoch.
  • Die Zinsen für Baukredite liegen auf einem hohen Niveau.
  • Die Genehmigungsverfahren dauern oft sehr lange.
  • Junge Familien wünschen sich ein Eigenheim.
  • Anfragen für Reihenhaus-Projekte sind um fast die Hälfte zurückgegangen.
  • Die Zahl der geförderten Wohnungsbaufertigstellungen sank auf unter 1.000.

Wer jetzt eine Wohnung sucht, spürt die Folgen dieser Entwicklung unmittelbar. Der Markt ist leergefegt. Das Angebot an frei finanzierten Mietwohnungen ist auf einem historischen Tiefstand. Wer dennoch eine findet, muss tief in die Tasche greifen. Die durchschnittliche Miete für einen Neumietvertrag in Hamburg liegt mittlerweile bei über 14 Euro pro Quadratmeter. Vor fünf Jahren waren es noch knapp unter 12 Euro. Das hört sich nach einem kleinen Unterschied an. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung summiert sich das aber auf 160 Euro mehr Kaltmiete jeden Monat. Für viele Haushalte ist das der Unterschied zwischen machbar und unmöglich. Die Suche verlagert sich deshalb immer weiter an den Stadtrand. Nach Mümmelmannsberg, nach Wilhelmsburg oder nach Neuwiedenthal. Doch auch dort ziehen die Mieten nun spürbar an. Die Nachfrage ist einfach zu groß. Ein Makler aus Harburg berichtet, dass es für eine vernünftige Dreizimmerwohnung in seinem Bezirk mittlerweile leicht fünfzig Interessenten gebe. Die Vermieter könnten sich die Mieter aussuchen und verlangten oft hohe Voraussetzungen.

Statistik Wert
Fertiggestellte Wohnungen 2022 6.300
Rückgang im Vergleich zum Vorjahr über 20%
Durchschnittliche Mietsteigerung 6%
Mieten in Eimsbüttel/Altona 8-10%
Anfragen für Reihenhäuser um fast 50% gesunken
Geförderte Wohnungsbauten unter 1.000 Ja

Die Politik in Hamburg sucht nach Antworten, aber schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Der Senat verweist auf das geplante „Beschleunigungspaket Wohnungsbau“. Es soll Verfahren verkürzen und Planungen vereinfachen. Ob das reicht, um private Investoren wieder zu aktivieren, ist jedoch fraglich. Die hohen Zinsen und Materialkosten kann auch die Politik nicht wegzaubern. Vieles hängt nun von den großen, städtischen Wohnungsbauunternehmen wie der SAGA oder der steg ab. Sie sollen als Motor fungieren, wo der private Markt schwächelt. Doch auch sie kommen nur langsam voran. Ein großer Neubaukomplex in Hammerbrook verzögert sich wegen gestiegener Kosten. Ein anderes Projekt in Barmbek wurde sogar vorerst auf Eis gelegt. Die Bezirkspolitik ist ebenfalls gefordert. In Lokstedt oder in Niendorf gibt es erbitterte Diskussionen über neue Baugebiete. Anwohner fürchten mehr Verkehr und den Verlust von Grünflächen. Diese Konflikte sind verständlich, aber sie kosten wertvolle Zeit.

Was bedeutet das alles für Sie, wenn Sie in Hamburg leben oder hierher ziehen wollen? Die Aussichten für Mieter werden in den nächsten Jahren schwierig bleiben. Ein Ende der Mietsteigerungen ist nicht absehbar, solange das Angebot so knapp ist. Für Familien, die mehr Platz brauchen, wird der Tausch der eigenen Wohnung gegen eine größere zum finanziellen Drahtseilakt. Viele werden gezwungen sein, weiter an den Rand zu ziehen. Diejenigen, die eine Eigentumswohnung oder ein Haus kaufen wollten, müssen wohl noch länger warten, bis sich die Zinsen auf einem erträglichen Niveau einpendeln. Die Stadt steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Sie muss den Wohnungsbau wieder in Gang bringen, ohne die soziale Spaltung zu vertiefen. Es braucht mehr mutige Entscheidungen für verdichtetes Bauen an Verkehrsknotenpunkten. Es braucht eine offensive Bodenpolitik, um günstiges Bauland zu sichern. Und es braucht eine ehrliche Debatte darüber, was uns gemeinschaftliches Wohnen und lebendige Nachbarschaften wert sind. Die ruhigen Baulücken in Ihrem Viertel werden sonst noch lange leer bleiben. Die Mietbriefe werden weiter steigen. Hamburg darf nicht die Stadt werden, in der nur noch diejenigen eine Zukunft haben, die es sich schon heute leisten können.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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