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Nachrichten Lokal > Nachrichten > München > München: Glasfaserausbau erreicht neue Stadtteile
München

München: Glasfaserausbau erreicht neue Stadtteile

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 1, 2026 3:59 p.m.
Julia Becker
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Glasfaser. Bildrechte: Telekom
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München rückt endlich auf der digitalen Landkarte vor. Die lange angekündigte Glasfaser-Revolution erreicht jetzt ganz konkret 2.490 Haushalte und Unternehmen in fünf Stadtbezirken. Es ist ein Pflasterstein auf dem steinigen Weg zur flächendeckenden Gigabit-Gesellschaft. Für die betroffenen Anwohner in Allach-Untermenzing, Feldmoching-Hasenbergl, Pasing-Obermenzing, Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln und Trudering-Riem bedeutet die Ankündigung der Telekom: Der digitale Anschluss an die Zukunft steht jetzt bevor. Die Bauteams rücken an, die Luftdruck-Kompessoren sind startklar. Doch der Teufel steckt, wie so oft in München, im Detail und in der Frage, wer wirklich von diesem Infrastruktursprung profitiert.

Die Fakten: Wo gebaut wird und wie es funktioniert

Die Deutsche Telekom hat den Startschuss für den Ausbau in zahlreichen Straßen der genannten Stadtteile gegeben. Die Technologie, die zum Einsatz kommt, ist bemerkenswert schonend: Ein Kompressor schiebt das hauchdünne Glasfaserkabel mit einem Luftdruck von fünf bis 16 bar durch bereits verlegte Leerrohre. Das Verfahren, «Blowing» genannt, minimiert Bauarbeiten und erlaubt es, auch lange Strecken und Kurven zu überwinden, ohne das Kabel zu beschädigen. Die Telekom verspricht Geschwindigkeiten bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde (1 Gigabit) – ein Quantensprung gegenüber vielen alten Kupfer- oder TV-Kabelanschlüssen.

«Wer einen Glasfasertarif abgeschlossen hat, bekommt jetzt die Glasfaser ins Haus, die Wohnung oder das Büro,» erklärt Markus Jodl, Unternehmenssprecher der Deutschen Telekom. Sein Appell richtet sich aber auch an die Zögerlichen: «Wer noch keinen Tarif hat, kann jetzt noch auf den Glasfaserzug aufspringen.» Der Clou für Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern: Der Hausanschluss bis zur Grundstücksgrenze ist kostenfrei, sobald ein Tarif gebucht wird. Bei Mehrfamilienhäusern ab drei Parteien organisiert die Telekom die Zustimmung des Eigentümers und legt den Anschluss grundsätzlich kostenlos bis ins Haus. Die Nutzer in den Wohnungen müssen dann individuell einen Tarif abschließen.

Der Münchner Hintergrund: Ein Wettlauf gegen die Zeit und die Ungleichheit

München, die Stadt der Innovation und High-Tech-Unternehmen, hinkt beim Glasfaserausbau seit Jahren hinterher. Während Städte wie Hamburg oder Köln aggressive Ausbauoffensiven gestartet haben, verlief sich in der bayerischen Landeshauptstadt vieles in bürokratischen Hürden, komplizierten Tiefbauarbeiten im historischen Untergrund und einem zähen Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich. In manchen Neubaugebieten ist Glasfaser längst Standard, während große Teile der Bestandsgebiete auf veraltete Technologien angewiesen sind.

Diese digitale Spaltung hat reale Konsequenzen. «Es geht nicht nur um schnelleres Streaming,» sagt eine Münchner Stadtplanerin, die anonym bleiben möchte. «Es geht um Homeoffice, digitale Bildung, Telemedizin und die Attraktivität für Unternehmen. Wenn in einem Stadtteil das Internet bei drei Videokonferenzen zusammenbricht, während es zwei Straßen weiter flüssig läuft, schaffen wir neue soziale Ungleichheiten.» Die aktuell angeschlossenen 2.490 Anschlüsse sind ein Tropfen auf den heißen Stein. München hat über 800.000 Wohnungen. Der Druck auf die Politik, den Ausbau zu beschleunigen, ist enorm.

Die Gemeinschaftsauswirkungen: Wer gewinnt, wer muss handeln?

Die direkten Gewinner dieser Ausbauphase sind klar: die Bewohner und Gewerbetreibenden in den gelisteten Straßen. Für Familien bedeutet ein stabiler Gigabit-Anschluss Entlastung im Alltag. Kinder können ungestört für die Schule recherchieren, während Eltern im Homeoffice arbeiten und ein weiteres Familienmitglied eine Serie streamt – alles gleichzeitig, ohne Ruckler oder Abbrüche. Für kleine Unternehmen, etwa im Handwerk oder im kreativen Sektor in den Gewerbehöfen von Obermenzing oder Allach, eröffnet sich neue Wettbewerbsfähigkeit. Cloud-Dienste, schneller Datentransfer und zuverlässige Kommunikation werden zur Grundvoraussetzung.

Doch der Weg dorthin ist nicht automatisch. Die größte Hürde liegt in den Mehrfamilienhäusern. Die Telekom kündigt an, «alle Eigentümer, Hausverwalter und Wohnungswirtschaften anzuschreiben». Hier entscheidet sich, ob ein ganzes Haus den Anschluss bekommt oder nicht. Mieter sind auf die Kooperationsbereitschaft ihrer Vermieter oder Wohnungsbaugenossenschaften angewiesen. «Viele Vermieter sehen zunächst nur Aufwand und keine direkte Rendite,» berichtet ein Mitarbeiter einer großen Münchner Wohnbaugesellschaft. «Dabei steigert eine Glasfaser-Erschließung langfristig den Wert der Immobilie und die Zufriedenheit der Mieter enorm. Es ist eine Investition in die Zukunft.»

Für die betroffenen Stadtteile hat der Ausbau auch eine symbolische Bedeutung. Ein Stadtteil wie Feldmoching-Hasenbergl, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit sozialen Herausforderungen verbunden wird, erhält damit eine moderne Infrastruktur, die Chancengleichheit fördern kann. In Pasing-Obermenzing oder Trudering-Riem stärkt es die Attraktivität der ohnehin beliebten Wohnlagen.

Was jetzt zu tun ist: Ein praktischer Leitfaden für Münchner

  • Mieter: Informieren Sie sich auf der Webseite der Telekom (telekom.de/glasfaser) über verfügbare Tarife. Buchen Sie einen Tarif. Die Telekom wird sich dann um die Zustimmung Ihres Vermieters kümmern. Sprechen Sie auch proaktiv Ihre Hausverwaltung an und machen Sie Interesse bekundet.
  • Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern: Ein Tarifvertrag löst den kostenlosen Hausanschluss aus. Prüfen Sie die Angebote.
  • Eigentümer und Verwalter von Mehrfamilienhäusern: Warten Sie den Brief der Telekom ab oder werden Sie selbst aktiv. Eine frühzeitige Kooperation beschleunigt den Prozess für alle Parteien. Die Telekom bietet eine eigene kostenlose Hotline für Eigentümer an: 0800 3304 174.
  • Unternehmen: Für gewerbliche Nutzer gelten spezielle Konditionen und Hotlines (0800 33 06709). Hier sind die Vorteile in puncto Produktivität und Zukunftssicherheit besonders groß.
  • Nachbarn: Unterstützen Sie Ihre Vermieter und Hausverwalter in der Kommunikation mit der Telekom.
  • Lokale Gemeinschaft: Fördern Sie das Bewusstsein für digitale Gleichheit und digitale Bildung in Ihrer Nachbarschaft.

Ein Schritt in die richtige Richtung – aber noch ein weiter Weg

Der aktuelle Ausbauschub ist ein wichtiges Signal, dass in München Bewegung in die digitale Infrastruktur kommt. Die gewählte Technologie ist modern und störungsarm. Doch die Aktion zeigt auch das Grundproblem: Der Ausbau erfolgt oft in kleinen, vom Anbieter priorisierten Häppchen, anstatt als flächendeckende, kommunal gesteuerte Grundversorgung.

Die Stadt München selbst hat ehrgeizige Ziele: Sie will bis 2030 eine flächendeckende Glasfaserversorgung erreichen. Dafür muss der aktuelle Schwung genutzt und der Druck auf alle Beteiligten – Netzbetreiber, Eigentümer und die städtische Planung – hochgehalten werden. Der Glasfaseranschluss ist heute so essentiell wie einst der Wasser- oder Stromanschluss. Die 2.490 neuen Anschlüsse sind ein Anfang. Damit München wirklich zur digitalen Spitzenstadt wird, muss dieser Anfang jetzt rasch und sozial gerecht fortgeschrieben werden. Die betroffenen Anwohner in Allach, Feldmoching und den anderen Stadtteilen haben es nun in der Hand, diesen ersten Schritt mit Leben zu füllen und ein Zeichen für die gesamte Stadt zu setzen.

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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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