Die Nachricht vom Terroranschlag während des Christopher Street Day in Berlin hat die Stadt und das ganze Land erschüttert. Neben der unermesslichen Trauer und dem psychischen Schock für die direkt Betroffenen stellen sich in den Tagen danach auch sehr praktische Fragen: Wie geht es jetzt weiter? Wer kommt für die Kosten auf? Hilfe ist da und sie soll schnell kommen, wie Bundesopferbeauftragter Roland Weber im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur deutlich macht. Der Staat bietet sogenannte Härteleistungen an, die eine erste finanzielle Unterstützung in der akuten Notsituation sein sollen. Diese Leistungen werden vom Bundesamt für Justiz ausgezahlt und können dort direkt beantragt werden. Die Höhe der Zahlung richtet sich nach dem Verletzungsgrad. Verletzte erhalten in einem gestaffelten System zunächst zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Für die Hinterbliebenen der getöteten Frau kann die Soforthilfe bis zu 30.000 Euro betragen. „Es handelt sich um eine erste Leistung zur Überbrückung bestimmter Kosten. Sie kann sehr schnell fließen“, erklärt Weber. Seine Geschäftsstelle biete, wenn nötig, auch praktische Hilfe beim Ausfüllen der Anträge an. Diese Soforthilfe ist nur der erste Schritt. Den Opfern stehen mittel- und langfristig, je nach ihrer individuellen Situation, weitere Leistungen zu. Dazu können Entschädigungszahlungen, die Finanzierung von notwendigen Umschulungen nach bleibenden Verletzungen, Renten oder auch Leistungen aus speziellen Versicherungen gehören. Auch bei der Durchsetzung dieser Ansprüche bietet der Opferbeauftragte seine Unterstützung an.
Umfassende Unterstützung über die finanzielle Hilfe hinaus
Weber hat nach eigenen Angaben bereits gemeinsam mit der Zentralen Anlaufstelle für Betroffene von Terroranschlägen im Land Berlin Kontakt zu den Angehörigen des Todesopfers und zu den identifizierten Verletzten aufgenommen. Sie wurden über die gesamte Bandbreite der Unterstützungsmöglichkeiten informiert – von Hotlines über spezielle Internetangebote bis hin zu Hilfsnetzwerken und psychosozialen Einrichtungen. Besondere Aufmerksamkeit widmet Weber aber auch einer Gruppe, die oft im Hintergrund bleibt: den Augenzeugen. „Es gibt Augenzeugen, Menschen, die in der Nähe eines Anschlags waren, und die laufen oft weg“, schildert er. „Manchen geht es bald wieder gut, die stecken das weg und verkraften das. Andere nicht. Diese Gruppe ist am schwersten zu erreichen.“ Ihre seelischen Wunden sind oft unsichtbar, können aber langfristig tief sitzen. Für alle Betroffenen – Hinterbliebene, Verletzte, deren Familien, Augenzeugen und auch diejenigen, die am Tatort spontan Erste Hilfe geleistet haben – gibt es mehrere Anlaufstellen. Die kostenfreie Hotline des Opferbeauftragten (0800 0009546, aus dem Ausland: +49 30 18 580 – 8050) ist rund um die Uhr erreichbar. „Dort bieten Fachleute auch 24 Stunden psychosoziale Beratung an“, so Weber. Viele Menschen hätten sich bereits gemeldet. Auf der Internetseite der Zentralen Anlaufstelle des Landes Berlin finden sich zahlreiche weitere Kontakte und Hilfsangebote.
Ein Appell an alle Betroffenen
Roland Weber richtet einen eindringlichen Appell an alle, die unter den Folgen des Anschlags leiden: „Bitte melden Sie sich, haben Sie keine Scheu und keine Sorge, dass wir das womöglich nicht ernst nehmen. Wir unterstützen Sie.“ Dieser Aufruf gilt explizit nicht nur für die körperlich Verletzten, sondern auch für Angehörige, Augenzeugen, Helfer und alle, denen das Geschehen aus anderen Gründen seelisch stark zusetzt. Die Unterstützungssysteme sind darauf ausgelegt, die ganze Bandbreite der Traumata aufzufangen, die ein solch brutales Ereignis auslösen kann. Der Terroranschlag am Samstag im Berliner Tiergarten, bei dem ein 21-jähriger islamistischer Attentäter mit einem Auto in eine Menschenmenge fuhr und wahrscheinlich mit einer Machete weitere Menschen attackierte, hat tiefe Wunden gerissen. Eine Frau verlor ihr Leben, 31 Menschen wurden verletzt, sieben von ihnen schwer. Der Täter wurde am Sonntagabend von der Polizei gestellt und erschossen.
| Art der Unterstützung | Betrag |
|---|---|
| Soforthilfe für Verletzte | 3.000 – 5.000 Euro |
| Soforthilfe für Hinterbliebene | bis zu 30.000 Euro |
| Entschädigungszahlungen | variiert |
| Finanzierung von Umschulungen | variiert |
| Renten | variiert |
| Leistungen aus speziellen Versicherungen | variiert |
Inmitten dieser schrecklichen Ereignisse ist es ein wichtiges Signal, dass die Hilfe für die Überlebenden und die Hinterbliebenen nicht nur ein Versprechen ist, sondern in Form konkreter, schneller finanzieller Unterstützung und umfassender psychosozialer Beratung greifbar wird. Die Stadt Berlin steht in dieser schweren Zeit zusammen und die staatlichen Stellen betonen: Niemand soll mit den Folgen alleingelassen werden.