Es ist ein Problem, das Pendlerinnen und Pendler der Linie RB26 zwischen Berlin-Lichtenberg, Strausberg und Küstrin-Kietz nur zu gut kennen: Zu wenig Triebwagen, zu seltene Verbindungen und daraus folgend überfüllte Züge. Während der Sommerferien hat sich die Lage etwas entspannt, weil weniger Berufspendler unterwegs waren. Doch nun, mit dem Ende der Ferien, kehrt der Alltag zurück. Viele fragen sich: Verschärft sich der Zugmangel jetzt wieder? Werden die ohnehin schon vollen Waggons zur täglichen Geduldsprobe? Wir haben bei der verantwortlichen Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) nachgefragt und die Situation für die Anwohner der östlichen Stadtteile und des Landkreises Märkisch-Oderland analysiert.
Grundsätzlich bestätigt die NEB die anhaltende Herausforderung. Ein Unternehmenssprecher erklärt auf Nachfrage von Nachrichten Lokal: „Die Lage bleibt angespannt. Wir verfügen nach wie vor nicht über die Anzahl an Triebzügen, die wir für einen stabilen und verdichteten Fahrplan auf der RB26 eigentlich benötigen.“ Das Kernproblem ist seit Jahren bekannt: Es fehlen schlichtweg die Fahrzeuge. Die für diese Strecke vorgesehenen modernen Elektrotriebzüge des Typs „Coradia Continental“ von Alstom kommen nur mit großer Verzögerung beim Eisenbahnverkehrsunternehmen an. Ursachen sind weltweite Lieferkettenprobleme und Produktionsengpässe beim Hersteller.
Konkret bedeutet das für den Fahrplan: Statt im 20- oder 30-Minuten-Takt, wie es für eine wichtige Pendlerstrecke wünschenswert wäre, fährt die RB26 oft nur im Stundentakt. In den Hauptverkehrszeiten wird zwar verdichtet, doch selbst dann reichen die Kapazitäten häufig nicht aus. „Wir setzen jedes verfügbare Fahrzeug ein, auch ältere Baureihen, um das Angebot zu stützen“, so der NEB-Sprecher. „Aber die Reserve ist extrem dünn. Fällt ein Zug aus – sei es durch einen technischen Defekt oder einen Personalmangel – dann gibt es sofort spürbare Lücken.“
Die Personalsituation bezeichnet die NEB als „stabil, aber fordernd“. Es gebe genug Lokführer, um den aktuellen, gedeckelten Fahrplan zu bedienen. Das eigentliche Limit sei aber nicht das Personal, sondern das Material. „Wir könnten sofort mehr Züge fahren lassen, wenn wir sie hätten“, betont der Unternehmensvertreter. „Die Triebwagen sind der Engpass, nicht die Menschen, die sie fahren.“
Für die Pendler aus den östlichen Berliner Stadtteilen wie Marzahn-Hellersdorf, aus Strausberg, Altlandsberg oder den Gemeinden entlang der Strecke hat das reale Konsequenzen. Michaela Schulze, die täglich von Strausberg nach Berlin-Lichtenberg zur Arbeit pendelt, berichtet: „In den Ferien war es erträglich, man bekam sogar einen Sitzplatz. Jetzt, diese Woche, ist es wieder wie früher: Man drängt sich in den Einstiegsbereich, und wenn an den Stationen dazwischen noch Leute zusteigen wollen, wird es wirklich unangenehm.“ Sie sorgt sich vor allem um die kalte Jahreszeit: „Im Winter, mit dicken Jacken, wird es noch enger. Und wenn dann mal wieder ein Zug ausfällt, stehen alle auf dem kalten Bahnsteig.“
Die NEB verweist auf ihre Bemühungen, die Situation zu verbessern. Man stehe in ständigem Austausch mit dem Hersteller Alstom und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der die Strecke bestellt. Ein konkretes Datum, wann ausreichend neue Züge geliefert werden, könne man jedoch nicht nennen. „Das ist ein branchenweites Problem, von dem nicht nur wir betroffen sind“, heißt es aus dem Unternehmen. Als kurzfristige Maßnahme prüfe man weiterhin den Einsatz von Zügen anderer Baureihen, was jedoch oft an technischen oder behördlichen Zulassungsgrenzen scheitere.
Aus Sicht des Verkehrsverbundes ist die RB26 eine „wichtige Lebensader“ für den Osten Brandenburgs und Berlins. Ein VBB-Sprecher räumt ein, dass die unbefriedigende Situation auf der Schiene viele Pendler verunsichere. Man arbeite unter Hochdruck mit allen Beteiligten an Lösungen. Langfristig sei der geplante zweigleisige Ausbau der Strecke bis Strausberg ein Schlüsselprojekt, um mehr und pünktlichere Züge fahren lassen zu können. Die dafür nötigen Planungs- und Genehmigungsverfahren laufen, doch die Umsetzung wird noch Jahre dauern.
Was heißt das nun für die kommenden Wochen und Monate? Die NEB gibt eine ehrliche, wenn auch unbefriedigende Prognose ab: „Die Ferien sind vorbei, die Auslastung unserer Züge steigt wieder auf das gewohnt hohe Niveau. Ein signifikanter Kapazitätssprung ist kurzfristig nicht zu erwarten.“ Pendler müssen sich also vorerst weiterhin auf volle Züge und einen überschaubaren Takt einstellen. Die NEB bittet um Verständnis und empfiehlt, wo immer möglich, flexiblere Arbeitszeiten zu nutzen, um den Hauptverkehrsstrom zu umgehen.
- Zu wenig Triebwagen
- Seltene Verbindungen
- Überfüllte Züge
- Weltweite Lieferkettenprobleme
- Personalmangel
- Kalte Jahreszeit
Für die Menschen in der Region ist das mehr als nur ein Verkehrsproblem. Es beeinflusst ihre Lebensqualität, ihre Familienplanung und ihre Entscheidung, ob sie auf das Auto umsteigen. Jede Verspätung, jeder ausgefallene Zug bedeutet Stress, weniger Freizeit und manchmal auch berufliche Nachteile. Die Hoffnung ruht auf den verspäteten Neufahrzeugen und dem politischen Willen, die Schieneninfrastruktur im Berliner Umland endlich konsequent auszubauen. Bis dahin bleibt das Einsteigen auf der RB26 für viele eine tägliche Herausforderung, die mit dem Ende der Ferien nun wieder in den Fokus rückt.
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Zu wenig Triebwagen | Lieferverzögerungen | Neue Züge |
| Überfüllte Züge | Hohe Auslastung | Flexiblere Arbeitszeiten |
| Personalmangel | Technische Defekte | Ältere Baureihen einsetzen |