Am Freitagnachmittag steht München und der gesamte Landkreis vor einer ernsthaften Wetterherausforderung. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine amtliche Unwetterwarnung vor Starkregen herausgegeben, die von 13 bis 19 Uhr gilt. Innerhalb von sechs Stunden werden Niederschlagsmengen zwischen 20 und 35 Litern pro Quadratmeter erwartet. Diese Mengen, die auf einen starken Regentag verteilt in etwa einer Woche vom Himmel fallen könnten, prasseln nun in wenigen Stunden auf die Stadt nieder. Die Folge können rasche Überflutungen von Straßen und Unterführungen sein, wie etwa an bekannten neuralgischen Punkten wie der Unterführung am Donnersbergerbrückenbereich oder im Bereich des Mittleren Rings. Autofahrer werden eindringlich gewarnt: Aquaplaning ist eine reale Gefahr und überflutete Streckenabschnitte sollten unbedingt gemieden werden.
Die Ursache: Eine explosive Luftmassengrenze
Die konkrete Gefahr für Südbayern entsteht laut dem aktuellen DWD-Warnlagebericht durch eine markante Luftmassengrenze. Diese zieht sich vom Hochrhein quer durch die Mitte Bayerns und trennt zwei völlig unterschiedliche Luftmassen: feuchtwarme, fast subtropische Luft im Südosten von deutlich kühlerer und trockenerer Luft im Nordwesten. Über München liegt diese Grenze wie eine unsichtbare Linie der Unbeständigkeit. Im Tagesverlauf entwickelt sich genau über dieser Grenze ein kleines, aber energiereiches Tiefdruckgebiet, das von den Alpen nach Niederbayern zieht. Es wirkt wie ein Zünder in dieser instabilen Atmosphäre. Kühle Luft dringt hinterher bis an die Alpen vor und schiebt die warme, feuchte Luft energisch nach oben – die perfekte Voraussetzung für heftige Gewitter und sintflutartige Regenfälle.
Vom einzelnen Gewitter zur flächigen Gefahr
Die Entwicklung verläuft in mehreren Akten. Zunächst sind am Vormittag vereinzelte, aber punktuell intensive Gewitter möglich, die lokal schon bis zu 15 Liter Regen pro Quadratmeter in nur einer Stunde bringen können. Die eigentliche Hauptgefahr zieht jedoch ab dem Mittag von Südwesten her auf. Dann wird aus den einzelnen Zellen ein flächiger, mit Gewittern durchsetzter Starkregen, der große Teile der Region erfasst. Der DWD prognostiziert dabei Mengen von 20 bis 30 Litern innerhalb von drei bis sechs Stunden, örtlich sogar bis zu 40 Litern. Besonders kritisch könnte es zum Abend hin im östlichen Oberbayern und in Niederbayern werden, wo zusätzliche Gewitterzellen mit ähnlich extremen Regenmengen in sehr kurzer Zeit entstehen können.
Die Meteorologen schließen dabei auch begleitende Extremphänomene nicht aus: Hagelkörner von bis zu drei Zentimetern Größe – also etwa so groß wie Tischtennisbälle – sind möglich. Zudem könnten schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde, also Orkanstärke, auftreten. „Die Entwicklung ist in dieser Hinsicht aber noch sehr unsicher“, schränken die Experten des DWD ein. Sicherer ist die Prognose für stürmische Böen um 70 km/h aus West, die zum Abend insbesondere in Richtung Chiemgau und Berchtesgaden erwartet werden, wobei auch hier Böen bis 85 km/h möglich sind.
Was bedeutet das für München?
Für die Landeshauptstadt bedeutet diese Warnung konkrete Auswirkungen auf den Alltag. Die erwarteten Regenmengen überlasten rasch die Kanalisation, die auf solche Intensitäten nicht ausgelegt ist. Besonders gefährdet sind typische Schwachpunkte im Stadtgebiet:
- Tiefliegende Unterführungen, wie sie im gesamten Stadtgebiet zu finden sind.
- Senken und Mulden auf Straßen, besonders auf Hauptverkehrsadern.
- Tiefgarageneinfahrten in betroffenen Vierteln.
- Bäche und kleinere Flüsse in der Stadt, die sehr schnell anschwellen können, wie der Hachinger Bach oder der Isar-Altarm im Süden der Stadt.
Die städtische Wasserwirtschaft ist zwar auf solche Ereignisse vorbereitet, doch bei lokalem Starkregen kann das Wasser oft schneller fallen, als es abfließen kann. Die Feuerwehr München und die Einsatzzentralen bereiten sich auf vermehrte Einsätze wegen überfluteter Straßen oder vollgelaufener Keller vor.
Empfehlungen für Bewohner und Pendler
- Verkehr: Passen Sie Ihre Fahrweise an, halten Sie deutlich mehr Abstand und reduzieren Sie die Geschwindigkeit. Meiden Sie unbedingt bekannte Überflutungsstellen wie Unterführungen. „Auch wenn die Wassertiefe schwer einzuschätzen ist: Schon wenige Zentimeter Wasser können zum Absaufen des Motors führen“, warnt ein Sprecher der Polizei München.
- Zu Hause und im Gewerbe: Sichern Sie gegen eindringendes Wasser, vor allem in Kellerräumen oder Tiefgaragen. Lagern Sie wertvolle Gegenstände nicht auf dem Boden.
- Draußen: Vermeiden Sie Aufenthalte im Freien bei Gewittern und starkem Regen. Halten Sie sich von Bächen und Flüssen fern, da diese sehr schnell zu reißenden Gewässern werden können.
- Information: Verfolgen Sie die aktuellen Warnungen des DWD und die Meldungen lokaler Behörden. Die Warn-App „NINA“ oder die Websites von DWD und der Stadt München bieten aktuelle Informationen.
Ausblick: Ein wechselhaftes Wochenende
In der Nacht zum Samstag ziehen die intensivsten Niederschläge und Gewitter rasch nach Tschechien ab. Es folgt eine nur vorübergehende Beruhigung mit Temperaturen zwischen 10 und 14 Grad. Der Samstag selbst bleibt laut Vorhersage wechselhaft und weiterhin potenziell unbeständig. Nach etwas Sonne am Vormittag können im Tagesverlauf erneut Schauer und einzelne Gewitter mit Starkregen von etwa 15 Litern in kurzer Zeit, kleinem Hagel sowie starken Böen auftreten. Die Höchsttemperaturen klettern dann wieder auf 19 bis 22 Grad.
Für München steht fest: Dieser Freitag erfordert von allen Seiten erhöhte Aufmerksamkeit. Während die Meteorologen die weitere Entwicklung der Gewitter beobachten, liegt es an jedem Einzelnen, sich und sein Eigentum durch vorausschauendes Handeln zu schützen. Die amtliche Warnung ist ein ernstzunehmendes Signal, das nicht ignoriert werden sollte.