Gestern Abend ging ein kräftiger Sturm durch unsere Stadt. Er fegte über Dächer und rüttelte an Bäumen. Und an der großen Kreuzung vor dem Limbecker Platz riss er eine ganze Ampelanlage um. Sie stürzte direkt vor ein Auto. Drei Menschen in dem Wagen wurden verletzt. Die Feuerwehr musste die zerstörte Ampel von der Fahrbahn räumen. Dies war kein Einzelfall. Am selben Wochenende fielen an anderen Kreuzungen in Essen zwei weitere dieser provisorischen Ampeln um. Alle standen an vielbefahrenen Straßen. Die Frage die sich nun jeder stellt ist einfach: Warum wurde nicht früher gehandelt?
Die Antwort zeigt ein Problem das über diese drei Ampeln hinausgeht. Es zeigt wie Verantwortung in unserer Stadt manchmal hin und her geschoben wird. Und es zeigt dass die Warnungen der Bürger oft nicht ernst genug gehört werden.
Eine vermeidbare Gefahr mitten in der Stadt
Die umgestürzte Ampel am Limbecker Platz war keine gewöhnliche Verkehrsampel. Sie war eine sogenannte provisorische Anlage. Solche Ampeln werden oft bei Bauarbeiten aufgestellt. Sie stehen auf mobilen Gestellen die mit Betonblöcken beschwert sind. Vielen Autofahrern sind sie ein vertrauter Anblick. “Sie sieht abenteuerlich aus” sagte ein Passant bereits vor dem Unfall zu unserer Redaktion über genau diese Ampel. Er war nicht der Einzige dem die Konstruktion unsicher vorkam.
Die Stadt Essen beauftragt für diese Aufgabe spezielle Unternehmen. Diese Verkehrssicherungsfirmen sind laut Vertrag dafür verantwortlich dass von ihren Anlagen keine Gefahr ausgeht. Auch bei Sturm. Nach dem Vorfall sagte die Stadt deutlich: Der beauftragte Unternehmer trägt die Verantwortung. Nicht wir. Doch für die Menschen die hier täglich unterwegs sind ist das eine unbefriedigende Erklärung. Denn die Ampel stand auf öffentlichem Grund. Sie regelte den Verkehr an einer der wichtigsten Kreuzungen Essens.
Rechtsanwalt Arndt Kempgens der auf Verkehrsrecht spezialisiert ist sieht das ähnlich klar. “Die Stadt hat eine Verkehrssicherungspflicht” erklärt er. “Wenn es Hinweise auf eine Gefahr gibt muss sie reagieren. Tut sie das nicht kann das eine Amtspflichtverletzung sein.” Die Stadt kann diese Pflicht zwar an Unternehmen delegieren. Sie muss aber kontrollieren dass die Arbeit auch sicher ausgeführt wird. Besonders dann wenn Gefahren gemeldet werden.
Die Warnzeichen waren da, sie wurden ignoriert
Das ist der entscheidende Punkt. Es gab Warnungen. Und sie kamen von den Bürgern selbst. Im Online-Mängelmelder der Stadt Essen einer Plattform auf der jeder Schlaglöcher oder defekte Laternen melden kann tauchten Einträge zu diesen Ampeln auf. Konkret ging es um provisorische Anlagen am nahegelegenen Berliner Platz. Nutzer machten darauf aufmerksam dass die Befestigung unsicher wirke. Diese Meldungen lagen vor bevor der Sturm kam.
Noch deutlicher wurde es in der Nacht vor dem schweren Unfall. Ebenfalls am Limbecker Platz nur wenige Meter entfernt kippte schon eine erste Ampel um. Sie blockierte die Straße. Die Polizei sperrte die Stelle ab. Dieses Ereignis war die letzte laute Warnung. Spätestens jetzt hätte jemand alle ähnlichen Anlagen in der Stadt sofort überprüfen und sichern müssen. Es geschah nicht. Vierundzwanzig Stunden später fegte der nächste Sturm über die Stadt. Und die nächste Ampel fiel. Diesmal traf sie ein Auto mit Menschen darin.
Die Feuerwehr Essen bestätigte den Ablauf. “In der Nacht zu Sonntag wurde die Anlage durch den Sturm umgeweht gerade als ein Fahrzeug die Stelle passierte” heißt es in ihrem Einsatzbericht. Die drei Insassen erlitten glücklicherweise nur leichte Verletzungen. Es hätte schlimmer kommen können. Wenn die Ampel einen Fußgänger getroffen hätte. Oder wenn es zu einer Massenkarambolage gekommen wäre.
Wer ist wirklich verantwortlich für Ihre Sicherheit?
Jetzt steht die Frage im Raum wer wann was wusste. Hat die Stadtverwaltung das beauftragte Unternehmen nach der ersten umgekippten Ampel gewarnt? Hat sie angeordnet alle Anlagen zu überprüfen? Auf unsere Nachfrage dazu gab es keine klare Antwort. Die Stadtverwaltung verwies erneut auf den Vertrag mit dem Unternehmen. Der Unternehmer sei in der Pflicht. Ob und wie die Verwaltung ihre Kontrollpflicht wahrgenommen hat wird nun möglicherweise vor Gericht geklärt werden. Die Geschädigten werden sich sicherlich an die Stadt wenden.
Für Sie als Bürger ist diese Situation unbefriedigend. Sie vertrauen darauf dass Ampeln Brücken und Straßen sicher sind. Sie gehen davon aus dass die Stadtverwaltung ihrer Aufsichtspflicht nachkommt. Das System des Mängelmelders funktioniert nur wenn auf die Hinweise auch reagiert wird. Sonst ist es ein reines Alibi. Der Fall der umgefallenen Ampeln ist ein Lehrstück dafür wie bürokratische Zuständigkeiten den Blick auf die reale Gefahr verstellen können. Ein Unternehmen ist verantwortlich. Eine andere Behörde kontrolliert. Am Ende fühlt sich niemand zuständig bis es zu spät ist.
Was können Sie tun?
- Bleiben Sie wachsam.
- Nutzen Sie den Mängelmelder.
- Machen Sie Fotos von gefährlich wirkenden Baustellen oder Anlagen.
- Schicken Sie Ihre Meldung nicht nur online.
- Fordern Sie bei akuten Gefahren eine schriftliche Bestätigung der Stadt.
- Melden Sie Beinahe-Unfälle der Polizei.
Die Stadt Essen muss jetzt handeln. Sie muss nicht nur die kaputten Ampeln ersetzen. Sie muss ihr gesamtes System der Verkehrssicherung überprüfen. Provisorische Anlagen müssen besser gegen Sturm gesichert werden. Die Hinweise aus dem Mängelmelder müssen ernster genommen und schneller bearbeitet werden. Und vor allem muss klar sein wer im Zweifelsfall die letzte Verantwortung trägt. Das kann nicht ein unbekannter Subunternehmer sein. Das muss immer die Stadt sein die Sie gewählt haben und die für Ihr Wohl verantwortlich ist.
Die drei leicht Verletzten hatten großes Glück. Der nächste könnte weniger Glück haben. Wir werden weiter über dieses Thema berichten und nachhaken welche Konsequenzen die Stadtverwaltung aus diesem Vorfall zieht. Ihre Sicherheit auf der Straße darf nicht vom Wind oder von bürokratischen Grauzonen abhängen.
| Ereignis | Datum | Ort | Verletzte |
|---|---|---|---|
| Umgestürzte Ampel | Gestern Abend | Limbecker Platz | 3 |
| Frühere Umgestürzte Ampel | Am selben Wochenende | Berliner Platz | 0 |