Die Geschäfte der Volksbank Köln-Bonn mit der umstrittenen Bordell-Immobilie „Pascha“ werfen immer weitere Schatten auf die Genossenschaftsbank. Neue Recherchen unserer Redaktion offenbaren eine verblüffende Nähe zwischen einem ehemaligen Vorstandsmitglied und dem Hauptverdächtigen in der sogenannten Luxus-Schleuser-Affäre, ungewöhnliche Kreditkonstruktionen und heftige interne Konflikte. Die Vorgänge werfen grundlegende Fragen zur Kontrolle und Risikosteuerung bei einem Institut auf, das traditionell für bodenständiges Handwerk und solides Genossenschaftswesen steht.
Die Fakten, wie wir sie aus Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern, Einsicht in interne Protokolle und der Auswertung von Handelsregistereinträgen zusammengetragen haben, sind komplex, aber eindeutig. Im Zentrum steht ein Immobiliendarlehen in zweistelliger Millionenhöhe, den die Volksbank Köln-Bonn im Jahr 2024 für den Kauf des „Pascha“-Gebäudes an der Venloer Straße gewährte. Käufer war eine neu gegründete Projektgesellschaft. Hinter dieser stehen der Geschäftsmann Orkan Y., der vom Bundeskriminalamt (BKA) als mutmaßlicher Kopf eines Netzwerks verdächtigt wird, das gegen hohe Geldsummen Menschen aus der Türkei und dem arabischen Raum nach Deutschland schleuste.
Eine auffällige persönliche Verbindung
Neu ist nun die Enthüllung einer engen persönlichen Verbindung. Der damalige Volksbank-Vorstand für das Firmenkundengeschäft, Dr. Matthias R. (Name von der Redaktion geändert), pflegte nach Informationen aus Kreisen der Bankaufsicht und ehemaligen Kollegen einen regelmäßigen privaten Kontakt zu Orkan Y. Mehrere interne Zeugen bestätigen, dass es gemeinsame Restaurantbesuche und sogar private Feiern gab. „Das ging weit über das übliche Maß einer Geschäftsbeziehung zwischen Banker und Kunde hinaus“, sagt ein ehemaliger leitender Angestellter, der anonym bleiben möchte. „Es war eine Freundschaft. Man traf sich auch am Wochenende. Das hat innerhalb der Bank für Unmut gesorgt, weil viele den Ruf des Kunden kannten.“
Dr. R. selbst, der inzwischen die Bank verlassen hat, bestreitet über seinen Anwalt jedwede Unregelmäßigkeit. Der Kontakt sei rein geschäftlicher Natur gewesen und alle Vorgänge seien ordnungsgemäß und unter Einhaltung aller Compliance-Vorschriften abgewickelt worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft die Vorgänge um das „Pascha“-Darlehen und die persönlichen Verflechtungen jedoch intensiv. Ein Sprecher der BaFin teilte auf Nachfrage mit: „Wir können zu laufenden Aufsichtsverfahren keine Einzelheiten mitteilen. Grundsätzlich erwarten wir von Bankvorständen, dass sie insbesondere bei bedeutenden und risikobehafteten Engagements strikt auf Distanz zu den Kunden gehen und mögliche Interessenkonflikte vermeiden.“
Die rätselhafte chinesische Kreditnehmerin
Parallel zu den Ermittlungen rund um das „Pascha“-Darlehen kam eine weitere brisante Transaktion ans Licht. Im gleichen Zeitraum gewährte die Volksbank Köln-Bonn einer in Köln lebenden chinesischen Staatsbürgerin namens Zhang Y. mehrere Millionenkredite. Die Sicherheiten für diese Kredite waren nach Einschätzung interner Risikocontroller äußerst fragwürdig. Es handelte sich um Ansprüche auf angeblich hochwertige Wein- und Spirituosen-Lagerbestände in Asien, deren Wert und Existenz kaum zu überprüfen waren.
Interne Warnungen wurden ignoriert. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Risikoabteilung berichtet: „Wir hatten große Bedenken angemeldet. Die Bewertungsgutachten für die angeblichen Lager kamen von obskuren Firmen, und die angegebenen Werte schienen völlig überhöht. Aber von der Vorstandsetage kam die klare Ansage, das Geschäft durchzuwinken.“ Zhang Y. ist mittlerweile abgetaucht, die Kredite sind ausgefallen. Die Volksbank muss Abschreibungen in Millionenhöhe vornehmen. Ob es eine Verbindung zwischen dieser Kreditnehmerin und dem Umfeld von Orkan Y. gibt, untersuchen nun neben der BaFin auch die Staatsanwaltschaft Köln.
Zerwürfnis im Aufsichtsrat
Die sich häufenden Pannen führten zu einem offenen Zerwürfnis im Aufsichtsrat der Genossenschaftsbank. Der Aufsichtsrat, der eigentlich die Vorstände kontrollieren soll, war tief gespalten. Eine Fraktion, angeführt von langjährigen Ehrenamtlichen aus dem Mittelstand, forderte eine lückenlose und schonungslose Aufklärung aller Vorgänge und konsequente personelle Konsequenzen. Die andere Fraktion, in der vor allem Vertreter größerer gewerblicher Mitglieder saßen, plädierte zunächst für Beruhigung und Vertuschung, um den Ruf der Bank nicht weiter zu beschädigen.
- Die Stimmung war vergiftet.
- Es ging nicht mehr um sachliche Kontrolle, sondern um Machtkämpfe.
- Diejenigen, die Transparenz forderten, wurden als Nestbeschmutzer hingestellt.
- Der Konflikt eskalierte durch einen Sonderprüfungsantrag.
- Dr. R. und der damalige Risikovorstand mussten gehen.
- Der aktuelle Vorstandsvorsitzende betont, dass die Bank aus den Vorfällen gelernt hat.
Der aktuelle Vorstandsvorsitzende, Stefan M., betont in einer Stellungnahme: „Die Bank hat aus den Vorfällen gelernt. Wir haben die Compliance-Strukturen massiv verstärkt, die Risikosteuerung neu aufgestellt und arbeiten vollumfänglich mit den Aufsichtsbehörden zusammen. Unser Ziel ist es, das verlorene Vertrauen unserer Mitglieder und Kunden zurückzugewinnen.“
Was das für die Mitglieder und die Stadt bedeutet
Die Volksbank Köln-Bonn ist keine anonyme Großbank. Sie ist eine Genossenschaftsbank, die ihren Mitgliedern gehört – Handwerksbetrieben, Familienunternehmen, Vereinen und vielen Privatpersonen aus der Region. Die Skandale treffen daher mitten in die lokale Wirtschafts- und Bürgerstruktur. Die entscheidende Frage lautet: Wie konnte es in einem Institut, das sich der Nähe zum Kunden und regionalen Werten verschreibt, zu derartigen Fehlentscheidungen kommen?
Experten sehen ein klassisches Problem bei Regionalbanken. „Es gibt oft eine Kultur des ‚Augenzudrückens‘ bei vermeintlich attraktiven Großkrediten“, erklärt Professorin Lena Berger, Finanzexpertin an der Universität Bonn. „Persönliche Bekanntschaften und der Wunsch, im Konkurrenzkampf mit Großbanken mitzuhalten, können dann die strikten Regeln der Risikoprüfung aushebeln. Das Aufsichtsgremium ist dabei häufig überfordert oder nicht unabhängig genug.“ Die Konsequenzen tragen am Ende alle Mitglieder, etwa durch geringere Dividendenzahlungen oder einen beschädigten Markennamen.
Für Köln und Bonn ist die Volksbank mehr als nur ein Geldinstitut. Sie ist ein Stück regionaler Identität und wichtiger Partner für den Mittelstand. Die jetzt bekannt gewordenen Vorgänge sind ein Schlag gegen dieses Vertrauen. Sie zeigen, dass auch in vermeintlich heimischen, soliden Strukturen Kontrollen versagen können, wenn persönliche Beziehungen und Profitgier über die Regeln gestellt werden.
Die Aufsichtsbehörden haben ihre Prüfungen noch nicht abgeschlossen. Es ist möglich, dass noch weitere Details ans Licht kommen und möglicherweise sogar Geldstrafen verhängt werden. Für die Mitglieder der Volksbank bleibt vorerst ein ungutes Gefühl. Sie müssen darauf vertrauen, dass der neue Vorstand und ein wachsamerer Aufsichtsrat tatsächlich alle Konsequenzen ziehen und eine Kultur der Transparenz und Regelbefolgung etablieren. Die genossenschaftliche Idee lebt vom gegenseitigen Vertrauen. Dieses zu reparieren, wird die größte Aufgabe der kommenden Jahre sein.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Kreditbetrag | Zweistellige Millionenhöhe |
| Käufer | Neu gegründete Projektgesellschaft |
| Hauptverdächtiger | Orkan Y. |
| Ähnliche Transaktion | Kredite an Zhang Y. |
| Sicherheiten | Fragwürdige Wein- und Spirituosen-Lagerbestände |
| Folgen | Abschreibungen in Millionenhöhe |