Man sitzt am Bodensee und spürt den leichten Wind, der über das Wasser weht. Genau hier, in Friedrichshafen, kämpft ein Gigant um seine Zukunft. ZF, der Autozulieferer, der seit Jahren in den Schlagzeilen steckt, meldet erstmals seit zwei Jahren wieder einen Gewinn. 122 Millionen Euro für das erste Halbjahr stehen einem Verlust von 195 Millionen im Vorjahr gegenüber. Ein Hoffnungsschimmer, doch die Bilanz bleibt gespickt mit Herausforderungen. Während die Welt der Mobilität rasant in Richtung KI und E-Auto drängt, steht ZF mit einem gewaltigen Schuldenberg von fast 10 Milliarden Euro am Ufer.
„Der Weg bleibt anspruchsvoll, doch jeder Schritt baut Altlasten ab“, sagt Vorstandschef Mathias Miedreich. Diese Disziplin zeigt sich in den Zahlen, doch sie hat auch eine menschliche Seite. Der Konzern schrumpft weiter. Fast 150.000 Menschen arbeiten für ZF weltweit, doch allein in Deutschland gingen im ersten Halbjahr rund 2.000 Jobs verloren. Diese Abgänge, oft mit Abfindungen begleitet, sind die stille Kehrseite der Sanierung. Gleichzeitig setzt man voll auf die Technik von morgen. „Komponenten, die Autos vorausschauend fahren lassen“, sollen den Energieverbrauch von E-Autos drastisch senken. Hier liegt die große Hoffnung. Ich erinnere mich an Gespräche mit Ingenieuren hier in der Region. Ihre Begeisterung für diese intelligenten Systeme ist greifbar, ebenso wie die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz.
Die Halbjahreszahlen sind ein wichtiger Etappensieg für ZF, aber noch lange keine endgültige Wende. Sie zeigen einen Konzern im Umbruch, der versucht, mit milliardenschweren Altlasten die Kurve in eine hochautomatisierte Zukunft zu nehmen. Der Gewinn gibt Luft zum Atmen. Doch der eigentliche Kampf, die Schuldenlast abzutragen und im Technologiewettlauf zu bestehen, geht weiter. Für Friedrichshafen und seine Menschen bleibt es eine nervöse Fahrt auf unbekannter Straße.
Herausforderungen für ZF:
- Gewaltiger Schuldenberg von fast 10 Milliarden Euro
- Stellenabbau in Deutschland
- Übergang zur E-Auto-Technologie
- Wettbewerb im Technologiebereich
- Kapitalbedarf für Forschung und Entwicklung
- Integration neuer Systeme
Finanzielle Übersicht:
| Zeitraum | Gewinn/Verlust |
|---|---|
| 1. Halbjahr 2023 | 122 Millionen Euro Gewinn |
| 1. Halbjahr 2022 | 195 Millionen Euro Verlust |