Hoch über den Dächern des Nordends, zwischen den frisch abgerissenen Fundamenten des alten Grünflächenamts und dem fröhlichen Trubel des Stoffel-Festivals, nimmt eine lang ersehnte Zukunft für Frankfurterinnen und Frankfurter Gestalt an. Der Magistrat der Stadt hat grünes Licht für die entscheidende zweite Erweiterung des Günthersburgparks gegeben. Wenn die Stadtverordnetenversammlung in ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause, am 27. August, zustimmt, können die Bauarbeiten im kommenden Jahr beginnen. Für das dicht bebaute Nordend bedeutet dies: Bis 2027 sollen 3,7 Hektar neuer öffentlicher Grünraum entstehen – eine wichtige Antwort auf drängende Fragen von Klimaanpassung, Lebensqualität und sozialem Miteinander in der wachsenden Stadt.
Die Dimensionen des Projekts sind beträchtlich und unterstreichen dessen Bedeutung. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 14,2 Millionen Euro, wovon 2,2 Millionen Euro bereits für den Abbruch des ehemaligen Betriebshofs an der Wetteraustraße aufgewendet wurden. Dieser war 2015 aufgegeben worden, die letzten zwölf Gebäude, inklusive einer Tankstelle, verschwanden im vergangenen Jahr von der Fläche. Die geplante Erweiterung ist kein spontanes Vorhaben, sondern die konsequente Umsetzung eines Stadtratsbeschlusses aus dem Jahr 1991. Damals beschlossen die Stadtverordneten, die Fläche des historischen Parks zu verdoppeln. Ein erster Schritt gelang in den 1990er Jahren mit einer vier Hektar großen Erweiterung nach Norden, nachdem das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei frei wurde. Die nun anstehende zweite Phase wird den Günthersburgpark auf eine Gesamtfläche von über 16 Hektar bringen und ihn damit zu einem der größten zusammenhängenden Grünzüge im Frankfurter Stadtgebiet machen.
Die Verzögerungen, die das Projekt über die Jahre erfuhr, erzählen auch von den praktischen Herausforderungen einer wachsenden Stadt. Die brachliegenden Flächen dienten zeitweise als wichtiges Ausweichquartier: Container für die sanierungsbedürftige Merianschule, aber auch für Horte und Kindertagesstätten fanden hier vorübergehend Platz. Diese Zwischennutzung zeigt, wie wertvoll jeder Quadratmeter Freifläche in einem Viertel wie dem Nordend ist – sei es für Bildung, Betreuung oder, wie nun geplant, für dauerhafte Erholung.
Die konkreten Pläne für die neuen 3,7 Hektar sind durchdacht und orientieren sich stark an den Bedürfnissen der Anwohnerschaft. „Für die Gestaltung des Spielplatzes konnten Kinder und Jugendliche Vorschläge machen. Aber auch Bewohner des Stadtteils seien in die Planung einbezogen worden“, betont Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez von den Grünen. Der Ortsbeirat Nordend, ein wichtiges Gremium der lokalen Bürgervertretung, hat dem Vorhaben bereits zugestimmt. Das Ergebnis dieser Beteiligung ist ein Konzept, das Offenheit mit gezielten Attraktionen verbindet. Das Herzstück der neuen Fläche sollen offene Wiesen bleiben, die Raum für freies Spiel, Picknicks oder einfach nur zum Ausruhen bieten. Die Aktivitäten konzentrieren sich an den Rändern:
- Ein größerer Spielplatz mit Kletterturm
- Rutschen
- Schaukeln
- Eine Seilbahn
- Eine Fitnessanlage mit Stangen in verschiedenen Höhen
- Ein Aussichtsturm mit Blick auf die Frankfurter Skyline
Die Materialwahl unterstreicht den Anspruch an Nachhaltigkeit und Allwettertauglichkeit. Die Hauptwege erhalten eine hellgelbe Asphaltdecke, die bei Starkregen weniger anfällig für Ausschwemmungen ist. Dies ist mehr als ein technisches Detail. Es ist eine direkte Reaktion auf die zunehmenden Wetterextreme, die auch Frankfurt immer härter treffen. „Der Extremsommer zeigt, wie dringend sich die Stadt auf die Folgen der Klimakrise vorbereiten müsse“, so Dezernentin Zapf-Rodríguez. „Gerade in dicht bebauten Stadtteilen seien mehr Grün und Freiräume nötig.“
Hier liegt die tiefere Bedeutung der Parkerweiterung weit über die zusätzlichen Spielflächen hinaus. Das Nordend mit seinen teilweise stark versiegelten Straßenzügen und engen Hinterhöfen ist ein sogenannter „urbaner Hitzeinsel“-Bereich. Mehr unversiegelte, bepflanzte Flächen wirken wie natürliche Klimaanlagen: Sie kühlen durch Verdunstung, binden Staub, nehmen Regenwasser auf und bieten Schatten. Die Erweiterung ist damit ein zentraler Baustein der Frankfurter Klimaanpassungsstrategie. Zugleich, so die Dezernentin, sei sie ein wichtiges Bindeglied für eine durchgängige Grünverbindung bis zum weiter nördlich gelegenen Huthpark. Es entsteht Schritt für Schritt ein grünes Netz, das die Lebensqualität in der gesamten nördlichen Innenstadt verbessert.
Der historische Günthersburgpark selbst, der sich von der Hartmann-Ibach-Straße bis zur Weidenbornstraße erstreckt, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Auf seinem Gelände stand im Mittelalter die Bornburg, die seit 1690 nach ihrem Besitzer Jakob Günther benannt wurde. Der Bankier Carl Mayer von Rothschild gestaltete das Anwesen später zu einem englischen Landschaftspark um, bevor die Stadt Frankfurt das Gelände Ende des 19. Jahrhunderts übernahm und der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die heutige Erweiterung setzt diese Tradition fort, öffentlichen Raum für alle Bürgerinnen und Bürger zu schaffen und zu bewahren.
Die Bauarbeiten sollen mit Rücksicht auf die vielen Parkbesucher in mehreren Abschnitten erfolgen, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Für die Menschen im Nordend und aus ganz Frankfurt bedeutet das Projekt eine konkrete Verbesserung ihrer täglichen Umgebung. Es schafft neuen, dringend benötigten Raum für Familien mit Kindern, für Jugendliche, für Sportbegeisterte und für alle, die einfach nur Natur in der Stadt suchen. Es ist eine Investition in sozialen Zusammenhalt, in Gesundheit und in die Widerstandsfähigkeit der Stadt gegen die Klimakrise.
Die finale Entscheidung liegt nun bei den gewählten Stadtverordneten. Ihre Abstimmung am 27. August wird zeigen, ob der langjährige Plan endgültig Realität werden kann. Sollte es grünes Licht geben, wird ab 2027 nicht nur der Günthersburgpark größer sein. Vor allem wird das Nordend ein Stück lebenswerter, grüner und besser für die Zukunft gewappnet sein.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Gesamtkosten | 14,2 Millionen Euro |
| Bereich | 3,7 Hektar neuer öffentlicher Grünraum |
| Erster Ausbau | 4 Hektar in den 1990ern |
| Wichtige Orte | Spielplatz, Fitnessanlage, Aussichtsturm |
| Umweltschutz | Nachhaltige Materialien und klimafreundliche Gestaltung |
| Abstimmung | 27. August 2023 |